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Internationaler Tag gegen Gewalt an Frauen

vom 14. Dezember 2017

© HWR Berlin, Büter

Am 25. November wurde der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen begangen. Auch die HWR Berlin zeigte im übertragenden und wörtlichen Sinn Flagge: Eine Woche lang wehten am Campus Lichtenberg zwei Fahnen der Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ mit dem Slogan „Frei leben – ohne Gewalt“, um ein Zeichen gegen die noch immer weltweit und in Deutschland verbreitete Gewalt an Frauen zu setzen.

Außerdem organisierte die Hochschule einen interaktiven Vortrag über Gewalt gegen Frauen, zu dem alle Hochschulmitglieder (Studierende, Lehrende und Mitarbeitende) eingeladen waren. In seiner offiziellen Begrüßung betonte Prof. Marcel Kuhlmey, Vizepräsident der HWR Berlin, dass Gewalt an Frauen an der HWR Berlin keinen Platz habe und deswegen die Richtlinie zum Schutz vor sexualisierter Diskriminierung, Gewalt und Belästigung erlassen worden sei.

Die zentrale Frauenbeauftragte Viola Philipp, die die Veranstaltung zusammen mit dem Frauenrat der HWR Berlin organisiert hatte, verwies in ihrer Rede darauf, dass es an der HWR Berlin für von Gewalt Betroffene verschiedene Hilfsmöglichkeiten gebe.

Danach ergriff Prof. Christian Matzdorf, der eine Professur für Kriminalistik mit Schwerpunkt Kriminaltechnik an der HWR Berlin bekleidet, für rund zwei Stunden das Wort: Für Frauen bestehe nicht auf den Straßen und durch Fremde die größte Gefahr, erklärte Matzdorf, sondern statistisch gesehen seien Frauen im eigenen Zuhause durch häusliche Gewalt am gefährdetsten.

„In welchem europäischen Land vermuten Sie die höchste Gewalt-Rate gegen Frauen?“ fragte Matzdorf die rund 50 Teilnehmenden. Es wurden Polen, Italien und Türkei vorgeschlagen. Tatsächlich seien, so das Ergebnis der Studie der EU-Grundrechte-Agentur (FRA) aus dem Jahr 2014 bei der 42.000 Frauen befragt worden sind, die höchsten Gewalt-Raten in Dänemark (52%) und Schweden (46%) gemeldet worden. Laut der Studie gibt es in Polen und Kroatien mit knapp 20% am wenigsten Gewalt. Diese überraschenden Zahlen seien unter anderem auf kulturelle Unterschiede im Umgang mit Gewalt zurückzuführen. Je stärker die Gleichberechtigung der Geschlechter in einem Land vorangeschritten sei, herrsche mehr Bewusstsein und es gebe mehr Anzeigen von betroffenen Frauen. In Deutschland lag die Gewalt-Rate bei 35% und damit knapp über dem EU-Durchschnitt von 33%.

Anschließend gab Matzdorf einige praktische Tipps, wie die anwesenden Frauen und Männer Gefährdungen vermeiden, erkennen und adäquat reagieren können. Mit Schlagstock, Pfefferspray und Messer verdeutlichte Matzdorf, wie geschickte Gegenmaßnahmen aussehen können. Im Dezember wird dieses praktische Wissen in vier Gewalttrainings an beiden Standorten vertieft.

Alljährlich soll mit dem internationalen Gedenktag das öffentliche Interesse auf die tagtägliche Gewalt an Frauen und Mädchen gelenkt werden und Strategien zur Bekämpfung in den Mittelpunkt rücken. Ende 1999 hatte die UN-Generalversammlung eine entsprechende Resolution verabschiedet.