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Verleihung des Politeia-Preises in 2017

vom 02. Juni 2017

Preisträgerin Franziska Pabst / © HWR Berlin, Hallatschek

Einmal im Jahr werden herausragende schriftliche Arbeiten von Studierenden und Absolvent/innen aus dem Bereich Frauen- und Geschlechterforschung mit dem Politeia-Preis der HWR Berlin ausgezeichnet. Die diesjährige Preisträgerin Franziska Pabst nahm die sogenannten Väterrechte unter die Lupe.

 

Am 18. Mai wurden in feierlichem Rahmen insgesamt vier Autorinnen für ihre Arbeiten zu aktuellen Fragen in der Frauen- und Geschlechterforschung in Deutschland und im internationalen Umfeld ausgezeichnet.

 

Die diesjährige Preisträgerin Franziska Pabst hat einen genauen Blick auf die sich derzeit entwickelnde Rechtsthemenstellung „Die rechtliche Stellung des leiblichen, nicht rechtlichen Vaters – die Entwicklung der sogenannten Väterrechte“ geworfen.

 

In ihrer Abschlussarbeit des Masterstudiengangs Betreuung/Vormundschaft/Pflegschaft untersuchte sie eine Benachteiligung des Vaters. Die Arbeit zeigt eindrucksvoll, wie der deutsche Gesetzgeber zwischen verschiedenen Polen laviert, nämlich dem Kindeswohl (den Interessen des Kindes), dem Schutz der Mutter des Kindes, dem Schutz einer sozial familiären Vater-Kind-Beziehung und dem Schutz/Anspruch des leiblichen Vaters. Franziska Papst ist es gelungen, dieses sehr komplexe hochaktuelle Querschnittsthema (Familien- und Verfassungsrecht) nachvollziehbar und sorgfältig aufzubereiten – und dies neben den familiären Aufgaben für ihre fünfköpfige Familie. Ihre Masterarbeit  betreuten Prof. Dr. Jan Eickelberg und Prof. Susanne Sonnenfeld.

 

Auch die diesjährigen Medaillen-Preisträgerinnen ermittelten in ihren Arbeiten aktuelle gesellschaftliche Themen der Frauen- und Geschlechterforschung.

 

Vera Buttmanns Arbeit „Prospects for improving rural-urban migrant workers' housing in Phnom Penh, Cambodia“ untersucht die Situation der urbanen Wohnungsmärkte in den sogenannten Entwicklungs- und Schwellenländern. Einerseits führen starke Land-Stadt-Migration, anderseits hohe Investitionen und Spekulation im Immobiliensektor zu verstärkter Segregation und Benachteiligung von Frauen im Besonderen. Die Textilindustrie in Phom Penh, Hauptstadt Kambodschas, stellt das Untersuchungsfeld der fast ausschließlich weiblichen Arbeitskräfte, in der die Autorin mögliche Maßnahmen für eine Veränderung der Situation diskutiert. Die eigeninitiativ entwickelte Fragestellung der Studie erfolgte im Rahmen des Masterstudiengangs International Economics und wurde von Prof. Dr. Martin Kronauer und Prof. Dr. Markus Wissen betreut.

 

In ihrer Masterarbeit „Radikalisierung von Frauen in Deutschland für den IS – Ursachen, Erklärungsansätze und Gegenmaßnahmen im internationalen Kontext“ stellt Julia Eck (Oberkommissarin bei der Bundespolizei und Absolventin des Studiengangs Sicherheitsmanagement der Berlin Professional School) die Frage, weshalb es für Frauen in Deutschland attraktiv sein kann, sich dem Islamischen Staat anzuschließen. Die Frage wird mit verschiedenen Erklärungsmustern beantwortet, die sich auf die Überforderung von jungen Frauen von der Emanzipation, dem Wunsch nach einem „Versorger“ und dem Bedürfnis nach Halt und Orientierung in einer Gemeinschaft konzentrieren. Die Verfasserin beruft sich auf verschiedene einschlägige in- und ausländische Studien und wurde von Prof. Dr. Hans-Gerd Jaschke und Benjamin Kreuchau betreut.

 

Die dritte Medaille erhielt Harriet Staudemeyer für ihre Bachelorarbeit „Die Bedeutung der Genderperspektive im Arbeitsschutz – Ist ein geschlechterneutraler Arbeitsschutz zeitgemäß?“, die sie im Abendstudiengang Business Administration bei Dr. Cordula Meyer-Mahnkopf und Prof. Dr. José Magone anfertigte.

 

Am Beispiel der Flugbegleitung führte sie eine empirische Befragung zu physischen, physischen und geschlechterspezifischen Unterschieden durch, die Rückschlüsse auf die unterschiedliche Wahrnehmung von Belastungen von Frauen und Männern ermöglicht. In der von Petra Fléing gehaltenen Laudatio wurde deutlich, wie erfolgreich Harriet Staudemeyer ihre Vollzeitberufstätigkeit, ihr Abendstudium und ihre familiäre Pflegearbeit unter einen Hut bringt.

 

Monika Schulz-Strelow, im Nebenamt maßgebliche Präsidentin des FidAR e. V., des Vereins, der die Forderung nach „Mehr Frauen in die Aufsichtsräte!“ sehr erfolgreich vertritt, freute sich über das große Engagement der Preisträgerinnen und ermutigte sie, weiter aktiv zu bleiben. Die Trägerin des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland betonte in ihrer Festrede, wie wichtig es sei, dass Frauen auf allen Ebenen vertreten seien, und lobte, dass die HWR Berlin mit ihrem Weiterbildungsprogramm „Strategische Kompetenz für Frauen in Aufsichtsräten“ nachhaltig an der Erhöhung des Frauenanteils in deutschen Aufsichtsräten mitwirkt.

 

Prof. Dr. Andreas Zaby, Präsident der HWR Berlin, gratulierte den Preisträgerinnen im Namen der Hochschule zu den fundierten Ergebnissen. Er dankte allen Beteiligten: der Jury, den Redner/innen und der Combo des Polizeiorchesters Brandenburg.

 

Seit 2001 werden jährlich ein POLITEIA-Preis zu 1.000 Euro und bis zu drei POLITEIA-Medaillen zu jeweils 400 Euro vergeben. Dieses Instrument fördert die Etablierung der Frauen- und Geschlechterforschung. Termin der Ausschreibung ist jeweils der 30. November.