Home >  Aktuelles > Presse  > Pressemitteilungen    

Opfer und Angehörige in den Mittelpunkt stellen

Von: Sylke Schumann
19. Dezember 2017

© HWR Berlin, Schumann

Pressemitteilung 80/2017

Symposium zum Jahrestag des Terroranschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz

„Der Jahrestag des Terroranschlags auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz ist kein Tag der politischen Reden, sondern des Innehaltens und des Gedenkens“, betonte der Berliner Innensenator Andreas Geisel zur Eröffnung des Symposiums an der Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin. Vertreter/innen von Sicherheitsbehörden, Verwaltungen, aus Politik und Wissenschaft sind am 19. Dezember 2017 aus verschiedenen Bundesländern, aus Israel, Belgien und Frankreich in die deutsche Hauptstadt gekommen, um über ihre Erfahrungen bei der Bewältigung der Folgen terroristischer Anschläge zu berichten. Im Fokus der Tagung standen Aspekte der Fürsorge für Opfer und Angehörige.

„Die Erinnerung der schrecklichen Ereignisse, die Anlass dieses gemeinsam von der Berliner Senatsverwaltung für Inneres und Sport und der HWR Berlin initiierten Symposiums sind, werfen Fragen auf“, sagte Prof. Andreas Zaby, Präsident der HWR Berlin. Deshalb wolle man einerseits die Erinnerung mahnend wachhalten und zugleich durch diesen interdisziplinären Austausch Lehren aus dem Geschehenen und dessen Aufarbeitung ziehen. Dabei sollen Opfer und Angehörige im Mittelpunkt stehen. Das sind neben den primär Betroffenen und deren Familien und Freunden auch Ersthelfer/innen, Sicherheitskräfte, medizinisches Pflegepersonal und Journalist/innen, stellte Prof. Dr. Vincenz Leuschner von der HWR Berlin in seinem Impulsvortrag über Opferforschung heraus. Zu oft würde in Vergessenheit geraten, dass Erlebnisse wie nach einem solchen Anschlag auch für diese Menschen und Berufsgruppen eine Grenzsituation darstellen, die zu Krisen führen können, auch noch Jahre später.

Dr. Jutta Helmerichs vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe bestätigte in ihrem Vortrag, dass für jedwede Betroffene „abrupt eine Welt zusammenbricht“. In der Auswertung der psychosozialen Notfallversorgung habe sich gezeigt, dass auch „Stellvertreteropfer“ eine besondere Wahrnehmung benötigen. „Die öffentliche Anteilnahme durch Repräsentantinnen und Repräsentanten des Staates sind von hoher Bedeutung für Betroffene, Opfer und deren Angehörige“, bekräftigte Helmerichs. Doch es sei dringend Sensibilität geboten. Auch die wiederholte öffentliche Diskussion um das Geschehene bewirke bei vielen, dass die Gräuel des Erlebten sie immer wieder einholen, die persönliche Verarbeitung erschwere. „Man muss die Menschen leben lassen“, mahnte die Psychologin.

Wie das Leben auf die Strandpromenade von Nizza zurückkehrte, schilderte Stadträtin Dr. Christiane Amiel. Noch ein Jahr nach dem  Anschlag vom 14. Juli 2016, bei dem ein Attentäter mit einem Lkw durch eine Menschenmenge gefahren war, über 80 Personen tötete und mehr als 400 zum Teil schwer verletzte, blieb die sonst so belebte Flaniermeile vergleichsweise verweist. „Die Bevölkerung von Nizza hatte das Bedürfnis nach Sicherheit“, so Amiel. Es wurden Poller aufgestellt und Sicherheitsnetze gespannt. „Danach ist die Uferpromenade wieder zu dem geworden, was sie einmal war: ein Ort der Freude, der Kommunikation, des Lebens.“ Kinder hören wieder Musik und lachen an diesem Ort. Amiel betonte: „Wir dürfen uns von diesen Dingen nicht überrennen lassen. Wir müssen lernen, mit diesen Erinnerungen und Gegebenheiten zu leben, auf einen Krisenfall vorbereitet zu sein.“

Es gebe viele Hilfsangebote, aber auch viele Insellösungen, verglich Dr. Jutta Helmerichs die Situation hinsichtlich des Bevölkerungsschutzes und der Katastrophenhilfe in Deutschland. Sie plädiert für zentrale Koordinierungsstellen zur Bündelung und Vernetzung aller Hilfen auf allen Ebenen und in allen Bereichen. In Berlin war als Konsequenz aus dem Attentat am Breitscheidplatz eine Anlaufstelle für Terroropfer eingerichtet worden, die Betroffenen im Bedarfsfall qualifizierte Auskünfte erteilt, wie Innensenator Andreas Geisel ausführte. Die Zusammenarbeit in der psychosozialen Notfallversorgung von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Polizei müsse weiter gestärkt werden, forderte Helmerichs, genauso wie die Kontinuität der nahtlosen psychosozialen Versorgung. Zur Prävention von Traumafolgestörungen bedürfe es einer guten Ausstattung mit qualifiziertem Personal und Mitteln. Angebote müssten kundenorientiert und verständlich sein, man müsse aktiv auf Betroffene zugehen und Unterstützung anbieten. Schließlich gelte es, so Helmerichs, vorab sicherzustellen, wer wem welche Information weitergibt, von wem und wie.

In einem Podiumsgespräch beleuchten Vertreter/innen von Stadt- und Polizeiverwaltungen, der Feuerwehr, von Opferhilfeverbänden und Wissenschaftler aus Deutschland und Israel das Thema aus diversen Blickwinkeln.

Das Symposium war der Auftakt für eine Reihe jährlich geplanter Fachtagungen an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, die immer am Jahrestag des Anschlags am Breitscheidplatz stattfinden sollen. Akteur/innen, Wissenschaftler/innen und fachliche und politische Entscheidungsträger/innen kommen zusammen, um Themen rund um die Gefahrenbekämpfung und -abwehr, den Katastrophenschutz und das Sicherheits- und Krisenmanagement zu diskutieren.

 

Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) Berlin ist mit 11 000 Studierenden eine der großen Hochschulen für angewandte Wissenschaften – mit ausgeprägtem Praxisbezug, intensiver und vielfältiger Forschung, hohen Qualitätsstandards sowie einer starken internationalen Ausrichtung. Das Studiengangsportfolio umfasst Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts- und Sicherheitsmanagement sowie Ingenieurwissenschaften in 60 Studiengängen auf Bachelor-, Master- und MBA-Ebene. Die HWR Berlin unterhält aktuell 170 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen Kontinenten und ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for Excellence“. Als eine von Deutschlands führenden Hochschulen bezüglich der internationalen Ausrichtung von BWL-Bachelorstudiengängen belegt die HWR Berlin Spitzenplätze im deutschlandweiten Ranking des CHE Centrum für Hochschulentwicklung und nimmt auch im Masterbereich vordere Plätze ein. Aus einer bundesweiten Umfrage von DEUTSCHLAND TEST ist die Hochschule 2017 wiederholt als „TOP Business School“ im Weiterbildungsbereich hervorgegangen. Die HWR Berlin unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.

 

 

 

Ansprechpartnerin für Journalist/innen
Sylke Schumann
Pressesprecherin
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Tel.: +49 (0)30 30877-1220
E-Mail: presse(at)hwr-berlin.de