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Die FHW Berlin vor neuen Herausforderungen

In der nahen Zukunft stehen für die FHW Berlin eine Reihe erfolgsversprechender Vorhaben an, die die Hochschule aber auch gleichzeitig vor große Herausforderungen stellen. Diese ergeben sich aus der Einführung neuer Studiengänge, der geplanten Integration der Berufsakademie in die FHW Berlin und dem geplanten Aufbau der Hochschule in räumlicher Sicht.

 

Das Land Berlin hat bereits im Jahre 1997 das Instrument der Hochschulverträge eingeführt. Diese geben den Hochschulen über mehrere Jahre hinweg Planungssicherheit, indem sie die Zuschüsse des Landes festschreiben. Mit den Verträgen für den Zeitraum von 2003 bis einschließlich 2005 wurde u. a. ein Strukturfonds vereinbart, mit dessen Hilfe eine Umverteilung von Studienplätzen zu Lasten der Universitäten und zu Gunsten der Fachhochschulen eingeleitet wird. Ab dem Jahr 2003 stehen dafür jährlich rund 2,6 Mio. Euro zur Verfügung. Da der Strukturfonds für 15 Jahre vereinbart wurde, werden nach Ablauf von 15 Jahren Mittel von rund 38 Mio. Euro dem Fachhochschulbereich neu zugeordnet sein.

 

Strukturfondsanträge der FHW Berlin bewilligt

Im Jahr 2002 fand nun zum ersten Mal das Vergabeverfahren zur Verteilung von Mitteln aus dem Strukturfonds statt. Über die Bewilligung der Anträge und die Vergabe der Mittel aus dem Strukturfonds entscheidet der Senator für Wissenschaft, Forschung und Kultur auf der Grundlage der Empfehlung einer Expertenkommission, die er im Benehmen mit der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten berufen hat. Die Ergebnisse der Expertenkommission liegen nun vor und sind für die FHW Berlin sehr erfreulich.

 

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In das Vergabeverfahren waren sechs Berliner Fachhochschulen mit einbezogen, von denen insgesamt 18 Anträge vorgelegt wurden. Von den 18 Anträgen wurden 14 befürwortet, und zwar wurden acht als sehr empfehlenswert, vier als empfehlenswert, drei als empfehlenswert mit Auflagen und drei als nicht geeignet eingestuft. Die FHW Berlin hatte sich mit fünf Anträgen an dem Wettbewerbsverfahren beteiligt. Sämtliche Anträge wurden positiv bewertet, wobei drei als sehr empfehlenswert und zwei als empfehlenswert eingestuft wurden.

 

Die fünf Anträge der FHW Berlin betreffen den deutsch-französischen Studiengang, der zusammen mit der École Supérieur du Commerce Éxtérieur Paris durchgeführt wird, ferner die Einführung eines Bachelorstudiengangs in "International Business Administration", eines weiteren Bachelorstudiengangs in "Applied Economics" sowie zweier konsekutiver Masterstudiengänge, die jeweils auf den Bachelorstudiengängen aufbauen und zum M.A. in "International Management" bzw. in "International Economics" führen (siehe Bild rechts).

 

Erweiterung des Fächerspektrums

Mit der Einführung der neuen Studiengänge kann die FHW Berlin ihr Fächerspektrum gemäß den früheren Empfehlungen des Wissenschaftsrates (Mai 2000) und den Empfehlungen der Expertenkommission für Betriebswirtschaftslehre im Land Berlin (Januar 2001) sinnvoll vertiefen und erweitern. Ferner gibt dies der FHW Berlin die Möglichkeit, die Internationalisierung konsequent weiterzuverfolgen, und schließlich wird damit der bereits begonnene Weg der Umstellung auf die neuen Abschlussgrade fortgesetzt. Nicht nur in akademischer Hinsicht, sondern auch unter dem Gesichtspunkt der Kapazität ist dies ein bemerkenswerter Schritt. Es kommen dadurch an der FHW Berlin knapp 400 Studienplätze hinzu, was einer Ausweitung der vertraglich vereinbarten Kapazität (von 1.500) um rund ein Viertel und der tatsächlich vorhandenen Studienplätze (von 2.250) um rund ein Sechstel bedeutet. In der vollen Ausbauphase der neuen Studiengänge entspricht dem ein zusätzlicher Mittelzufluss von rund 1,7 Mio. Euro.

 

Ein weiteres spannendes Vorhaben ergibt sich aller Voraussicht nach aus der Integration der Berufsakademie Berlin in die FHW Berlin. Im Jahr 2002 wurde im Land Berlin die Überführung der Berufsakademie in den Fachhochschulbereich diskutiert, so dass dann auch die Berufsakademie unter den Schutz der Hochschulverträge käme und aktuelle Haushaltsdefizite mit Hilfe des Strukturfonds ausgeglichen werden könnten.

 

Räumlicher Anbau über drei Jahre

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Ein weiterer wichtiger Schritt, der die Zukunft der FHW Berlin sichern soll, ist der räumliche Ausbau der Hochschule. Die FHW Berlin leidet unter einer erheblichen Raumnot. Die flächenbezogene Auslastung der Hochschule ist die höchste von allen Hochschulen im Land Berlin und liegt bei 261 %. Man kann sich leicht vorstellen, was dies für die Prozessorganisation einer Hochschule bedeutet. Um diesem Mangel abzuhelfen, wird nun mit Hilfe von HBFG- (Hochschulbau-Fördermitteln) und EFRE-Mitteln der frühere Zustand des Gebäudes (vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges) wiederhergestellt, und zwar werden die beiden Seitenflügel der Hochschule wieder auf die ursprüngliche Höhe gebracht und die Dachgeschosse ausgebaut (siehe Bild oben). In der vierten Ebene sollen Seminarräume, im Dachgeschoss Professorenzimmer und Besprechungsräume entstehen. Diese Maßnahme würde den Fachbereich "Wirtschaft I" der neuen FHW Berlin wieder in angemessene Arbeitsumstände bringen. Während in diesem Jahr die notwendigen Planungsarbeiten geleistet werden, findet der konkrete Aufbau in den Jahren 2004 und 2005 statt. Um Störungen des Hochschulbetriebs möglichst gering zu halten, wird im Jahr 2004 zunächst der Westflügel wiederhergestellt, im Jahr 2005 dann der Ostflügel. Die Hauptbauphasen werden jeweils in die Semesterferien gelegt. Trotz dieser möglichst behutsamen Vorgehensweise werden Störungen unvermeidbar sein, vor allem wird die Nutzung der dritten Etagen der Seitenflügel beeinträchtigt sein. So werden dort die Dienstzimmer der Hochschulmitglieder nur eingeschränkt nutzbar sein, und für die Vorlesungsräume müssen Ausweichquartiere gefunden werden, so dass dann einzelne Vorlesungen auch an anderen Standorten stattfinden werden. Es ist offensichtlich, dass für den Aufbau der Hochschule eine vorübergehende Verschlechterung der Arbeitssituation in Kauf genommen werden muss.

 

Die jetzt anstehenden Herausforderungen sind eng miteinander verflochten, so stößt die akademische Entwicklung sehr schnell an ihre Grenzen, wenn dieser nicht in baulicher Hinsicht Raum gegeben wird. Umgekehrt nützt eine räumliche Entwicklung nur wenig, wenn dieser nicht eine akademische Entwicklung vorausgeht, wie es bei unserer Hochschule tatsächlich der Fall ist. Ich bin zuversichtlich, dass die FHW Berlin die vielfältigen Herausforderungen meistern wird, zumal da sie mit einer insgesamt sehr positiven Entwicklung einhergehen.

 

Der Autor

Prof. Dr. Franz Herbert Rieger