Hochschulpakt und Masterplan „Wissen schafft Berlins Zukunft!“ – Was das konkret für die FHW Berlin bedeutet
Bildungsexperten prognostizieren für die nächsten Jahre, dass die deutschlandweite Nachfrage von Studierwilligen das Angebot an Studienplätzen übersteigen wird. Um diese Welle aufzufangen, haben Bund und Länder einen Hochschulpakt zur vorübergehenden Einrichtung zusätzlicher Studienplätze vereinbart. Nun war in Berlin gerade der Abbau von Studienplätzen an den Universitäten eingeleitet worden. Deshalb hat das Land Berlin zusätzlich eine „Ausbildungsoffensive“ gestartet, die noch einen Schritt weiter geht. Denn in der Wissenschaft sehen Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit und Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner die Zukunft der Hauptstadt. Sie soll in den nächsten Jahren zu einer der führenden Wissenschaftsregionen ausgebaut werden.
Berliner Sonderweg
Dazu wird innerhalb der nächsten vier Jahre der Masterplan „Wissen schafft Berlins Zukunft !“ umgesetzt. Berlin wird seine Studienplatzkapazität noch einmal deutlich ausbauen und eine Offensive für die Spitzenforschung starten.
Im Rahmen des Hochschulpaktes 2020 plant das Land Berlin, den durch Einsparungen bei den Universitäten bewirkten Abbau von Studienplätzen zurückzunehmen und zu den Studienanfängerzahlen des Jahres 2005 zurückkehren. Das Land hat sich dazu verpflichtet, im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2010 eine jährliche Studienanfängerzahl von 19.500 zu halten. Von der dafür im gleichen Zeitraum erforderlichen Aufstockung um 2.900 Studienanfänger werden von den Universitäten 1.200, von den Fachhochschulen 1.700 übernommen. Von den 1.700 Studienanfängern an Fachhochschulen entfallen auf die FHW Berlin 400, bei der für den Zusammenschluss mit der FHW Berlin vorgesehenen FHVR Berlin sind es 80.
Durch den zwischen Land und Hochschulen jüngst vertraglich besiegelten Berliner „Masterplan – Ausbildungsoffensive“ werden an den Fachhochschulen, und zwar nur dort, bis zum Jahr 2010 weitere 1.000 Studienanfängerplätze zur Verfügung gestellt. Davon entfallen auf die FHW Berlin 330, bei der FHVR Berlin sind es 240. Für die FHW Berlin ist also im Zeitraum von 2007 bis 2010 mit 730 zusätzlichen Studienanfängern zu rechnen.
Große Nachfrage an der FHW Berlin
Die Erhöhung der Studienplätze mit Hilfe des Hochschulpakts ist grundsätzlich nur vorübergehend, die mit Hilfe des Masterplans ist grundsätzlich auf Dauer angelegt. Dementsprechend sollten die Studienplätze des Hochschulpaktes für eine vorübergehende Erhöhung bestehender Angebote, die Studienplätze des Masterplans für dauerhafte Erhöhungen und für neue Angebote genutzt werden. Die Bewerberzahlen sind an beiden Fachbereichen so groß, dass Hochschulpakt und Masterplan an der fehlenden Nachfrage keinesfalls scheitern. Es ist eher so, dass die Anträge auf einen Studienplatz die gegebenen Möglichkeiten weit überschreiten. Die Dringlichkeit der Nachfrage nach Studienplätzen am Fachbereich 2 führte z. B. dazu, dass bereits im Jahre 2007 drei Fachrichtungen (Handel, Bank, Industrie) mit jeweils einer zusätzlichen Kohorte verstärkt wurden. Dies wurde möglich durch eine großzügige Vorfinanzierung der zuständigen Senatsverwaltung, denn planmäßig wären nach dem Hochschulpakt die zusätzlichen Studienanfänger erst 2009 möglich gewesen.
Darüber hinaus gibt es von Seiten der Betriebe für das Jahr 2008 Anmeldungen zur Verstärkung von drei bestehenden Fachrichtungen (Handel, Logistik, Industrie) und für zwei neue Studienrichtungen (Dienstleistungsmanagement, Elektrotechnik).
Es besteht aber auch am Fachbereich 1 ein dringender Ausbaubedarf. Hier geht es aus meiner Sicht vor allem um eine dauerhaft e Erhöhung von Studienangeboten mit jährlich nur einem Intake (z. B. Wirtschaftsrecht, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen), zusätzlich sollten auch neue Studienangebote (z. B. deutsch-spanischer Studiengang, Wirtschaftsjournalismus) in Angriff genommen werden. Mit Hilfe des Hochschulpakts und des Masterplans kann die FHW Berlin allein für den Ausbau der Studienplätze mit einem Mittelzufluss von rund fünf Millionen Euro rechnen.
Masterplan soll Qualität steigern
Während der Hochschulpakt, soweit es die Fachhochschulen betrifft , allein auf die quantitative Erhöhung der Studienanfängerzahlen zielt, eröffnet der Masterplan als umfassende Ausbildungsoffensive nicht nur den quantitativen Ausbau, sondern eine qualitative Verbesserung der Lehre. Der Masterplan unterscheidet (über den quantitativen Ausbau hinaus) acht weitere Programmlinien. Davon betrifft eine nur die Universitäten (W-Professuren auf Zeit), so dass sieben Programmlinien für uns relevant sind. Dazu gehören vorgezogene Nachfolgeberufungen, eine berufsbegleitende Lehrqualifikation, ein Tutorenprogramm, Lehraufträge zur Förderung angewandter Forschung, die Einrichtung eines „Berlin Institute of Professional Teaching“, spezifische Maßnahmen einzelner Hochschulen zur Verbesserung der Lehre und die Aufstockung des Berliner Frauenförderungsprogramms.
Vorgezogene Nachfolgeberufungen sind für die Rekrutierung von Professorinnen in wenig feminisierten Fächern möglich. Bei der Pensionierungswelle, die an der FHW Berlin zu erwarten ist, dürft en hier gute Möglichkeiten bestehen. Die entsprechenden Mittel wurden auch im Rahmen des Masterplans bereitgestellt. Ihre Ausschöpfung ist eine Herausforderung, da Berufungsverfahren verhältnismäßig lange dauern und der Förderungszeitraum von vier Jahren bereits läuft.
Eine berufsbegleitende Lehrqualifikation ist für Neuberufene vorgesehen. Demnach wird für sie eine Entlastung in der Lehre zugunsten der Teilnahme an einer didaktischen Schulung während der ersten beiden Semester möglich sein. Zur Weiterbildung der Professorinnen und Professoren wird ein eigenes Institut im Land Berlin gegründet, das Institute of Professional Teaching. Das Tutorenprogramm fällt im Verhältnis zu den anderen Programmen etwas bescheiden aus, doch können an der FHW Berlin immerhin jährlich 12 zusätzliche Tutorien eingerichtet werden.
Mit dem Lehrauftrag für angewandte Forschung werden völlig neue Wege bestritten. Hier wird es in Zukunft möglich sein, Professor/-innen bis zur Hälfte ihres Lehrdeputats zu entlasten und für die ausfallende Lehre Lehraufträge zu vergeben. Die dafür notwendige Änderung der Lehrverpflichtungsverordnung wurde von der zuständigen Senatsverwaltung bereits auf den Weg gebracht. Diese Programmlinie steht im Zusammenhang mit der Einrichtung eines Transferfonds, mit dessen Hilfe in einem erst noch von den Fachhochschulen zu gründenden Institut der Wissenstransfer nachhaltig gestützt werden soll.
Die Programmlinie „Förderung hochschulspezifischer Maßnahmen“ erlaubt den einzelnen Hochschulen – je nach den von ihnen erkannten Notwendigkeiten – tätig zu werden. Das ist vor allem deshalb so hilfreich, weil das frühere Hochschul- und Wissenschaftsprogramm (HWP), das eine große Vielfalt aufwies, inzwischen ausgelaufen ist. Die Hochschule hat in diesem Zusammenhang bereits einen Antrag zur Förderung von Studierenden mit Migrationshintergrund auf den Weg gebracht, die zur Verfügung stehenden Mittel sind damit noch nicht voll ausgeschöpft.
Schließlich wurde das Budget des Berliner Programms zur Förderung der Chancengleichheit um 50 % aufgestockt. Das Programm ermöglicht auch Leverage-Effekte, wenn es z. B. mit dem neuen „Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder zur Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern in Wissenschaft und Forschung“ verbunden wird.
Alles in allem fließen zur Verbesserung der Lehre über den Hochschulpakt und den Masterplan rund 57 Millionen Euro in die Haushalte der Hochschulen des Landes Berlin, wobei die Fachhochschulen überproportional profitieren. Für die FHW Berlin ergeben sich damit hervorragende Entwicklungschancen, so dass hier ein quantitativer Ausbau und Innovationsschub zu erwarten ist, der dem mit Hilfe des Strukturfonds in den Jahren 2002 und 2003 erreichten nicht nachsteht.
Der Autor
Prof. Dr. Franz Herbert Rieger


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