Was die Experten der FHW Berlin empfehlen
Die Berliner Hochschulen wurden in den vergangenen zwei Jahren einer umfassenden Begutachtung unterzogen. Diese begann im Jahre 1999 mit der Begutachtung der Strukturpläne der verschiedenen Berliner Hochschulen durch den Wissenschaftsrat. Die Strukturpläne für den Zeitraum von 2002 bis 2008, verschiedene ergänzende Erhebungen und mehrere Anhörungen der Berliner Hochschulen bildeten die Grundlage für die Empfehlungen des Wissenschaftsrates, die im Frühjahr 2000 veröffentlicht wurden. Im Nachgang zum Wissenschaftsrat wurde eine Überregional zusammen gesetzte Expertenkommissionen "Betriebswirtschaftslehre an Fachhochschulen" eingesetzt, die ihre Arbeit im Februar dieses Jahres abgeschlossen hat. Im Folgenden gehe ich auf die wichtigsten Ergebnisse dieser Begutachtungen ein, soweit sie die FHW Berlin unmittelbar betreffen.
Wissenschaftsrat lobt grundständiges Angebot
Das Angebot an grundständigen Studiengängen an der FHW Berlin besteht aus dem Studiengang "Wirtschaft" in Form des Tages- und Abendstudiums, dem Studiengang "European Business Administration" und dem Studiengang "Wirtschaftsingenieurwesen Umwelt", der zusammen mit der TFH angeboten wird.Der Wissenschaftsrat stellt in seinem Gutachten fest, dass die FHW Berlin - als Spezialhochschule für Wirtschaft - das gesamte Spektrum betriebswirtschaftlicher Lehrinhalte sowohl in der Breite als auch in der Tiefe anbietet. Ferner hebt er hervor, dass die FHW durch weitgehende Modularisierung und Einführung des ECTS-Verfahrens (European Credit Transfer System) ein flexibles Angebot geschaffen habe, das den Studierenden einerseits unterschiedliche Schwerpunktsetzungen und andererseits eine individuelle zeitliche Nachfrage (Teilzeitstudium) ermögliche. Durch Kooperationen mit ausländischen Hochschulen in weltweit wichtigen Wirtschaftsregionen werde den Studierenden ein international ausgerichtetes Studium geboten. Der Wissenschaftsrat erwähnt zugleich, dass er sich schon früher (1995) von dem qualitativ hohen Niveau von Studium und Lehre an der FHW Berlin überzeugen konnte (vgl. Stellungnahme zur Strukturplanung der Hochschulen in Berlin, Mai 2000, S. 132).
Expertenkommission empfiehlt gestufte Abschlüsse
Zu einer ähnlich positiven Beurteilung kommt auch die Expertenkommission. Von dieser wird insbesondere das klare Profil der Hochschule hervorgehoben. Dieses zeichne sich durch einen eher generalistischen Ansatz aus, der eine hohe Flexibilität des ersten berufsbildenden Abschlusses garantiere. Das Konzept des grundständigen Angebots ziele auf eine breit angelegte, praxisbezogene und multidisziplinäre Ausbildung. Weitere Merkmale seien die Orientierung am Dienstleistungsbereich und die Internationalisierung als durchgängiges Prinzip (vgl. Bericht der Expertenkommission Betriebswirtschaftslehre an Fachhochschulen in Berlin, Januar 2001 , Seite 24). Ein Reformbedarf wird hinsichtlich der Einführung der neuen international anerkannten Studienabschlüsse gesehen. Die Expertenkommission empfiehlt daher die Fortsetzung des bereits begonnenen Weges, die Diplomstudiengänge auf ein gestuftes System von Bachelor- und Masterabschlüssen umzustellen. Genau auf diesem Gebiet liegt auch nach dem Beschluss des Akademischen Senats der FHW Berlin vom 16. Mai 2000 der Schwerpunkt der Reformbemühungen für die nächsten Jahre. Da der Diplomstudiengang "Wirtschaft" mit seinen rund 2000 Studierenden der größte Studiengang an der FHW Berlin ist, hat hier die Betriebssicherheit eine hohe Bedeutung. Nach Meinung der FHW Berlin soll deshalb der notwendige Entwicklungs- und Transformationsprozess zunächst in nur einer Kohorte erprobt werden.
Trotz der überwiegend positiven Beurteilung des grundständigen Angebots der FHW Berlin wird ein weiterer Ausbau dieses Bereichs nicht empfohlen. Dies ist bei einem derart positiv beurteilten Angebot, das zugleich stark nachgefragt ist, nicht leicht einzusehen. Es wird von den Gutachtern eine zu einseitige Ausrichtung der Hochschule befürchtet, so dass sich Ausbauempfehlungen auf andere Bereiche erstrecken. Auch von der FHW Berlin selbst wird kein weiterer quantitativer Ausbau des bestehenden Angebotes angestrebt, vielmehr sollen neue Entwicklungslinien verfolgt werden, worauf noch eingegangen wird.
Empfehlungen zum postgradualen Angebot
Die Expertenkommission für Betriebswirtschaftslehre an Fachhochschulen begrüßt grundsätzlich das bestehende postgraduale Angebot der FHW Berlin. Sie empfiehlt den Weg der Vergabe eines eigenen Mastergrades (anstelle von Franchise-Modellen) weiter fortzuschreiten und das bestehende Zertifikatsangebot auf seine Eignung zum Master zu überprüfen.
Die FHW Berlin bietet zur Zeit vier MBA-Studiengänge an. Dies sind die beiden Full-time-Programme "MBA in European Management" und das deutsch-chinesische MBA-Programm, sowie die beiden Part-time-Programme "MBA für kleine und mittlere Unternehmen" und das deutsch-britische MBA-Programm. Der Mastertitel wird inzwischen in drei Studiengängen nach deutschem Recht vergeben. Nur in dem MBA-Part-time Programm wird der Titel nach wie vor von der britischen Partnerhochschule verliehen. Es ist auch hier eine Umstellung geplant, doch sollen dabei - so auch die Empfehlung der Expertenkommission - die Partnerschaften mit den ausländischen Hochschulen nicht aufgegeben werden. Dies ist z. B. beim "MBA in European Management" gut gelungen, so dass nach wie vor sehr eng mit der britischen Partnerhochschule kooperiert wird. Die anderen beiden MBA-Programme waren von vornherein deutschrechtlich.
Außer den MBA-Programmen bietet die FHW Berlin drei Zertifikatsstudiengänge an. Es handelt sich dabei um "Umwelt- und Qualitätsmanagement", ferner "Gesundheitsökonomie" sowie um den Studiengang "Macroeconomic Policies and Public Finance". Der Zertifikatsstudiengang "Gesundheitsökonomie" wurde inzwischen in ein MBA-Format überführt. Der Studiengang wurde inhaltlich auf Gesundheits- und Sozialmanagement ausgeweitet, die erste Aufnahme von Studierenden soll zum 1. Oktober 2001 erfolgen. Der Studiengang "Macroeconomic Policies" wird im Rahmen eines DSE-Programms zusammen mit der FHTW durchgeführt. Eine Umstellung auf ein Masterformat ist hier wegen des verhältnismäßig kurzen Aufenthalts der ausländischen Teilnehmer ausgeschlossen.
Empfehlungen zur Erweiterung des Fächerspektrums
Im Strukturplan der FHW Berlin wurden mit dem Ziel einer Ausweitung des Fächerspektrums im Wesentlichen drei Entwicklungslinien vorgeschlagen. Diese waren bezeichnet als "Neue Staatswissenschaften", "Neue Publizistik" und "Life-Science-Education". Bei dem Gebiet "Neue Staatswissenschaften" geht es vorrangig um die anwendungsorientierte Seite der Volkswirtschaftslehre (Managerial Economics), der Bereich "Neue Publizistik" hat im Wesentlichen Wirtschaftsjournalismus zum Gegenstand, hier aber in Verbindung mit den neuen Medien, mit dem Gebiet "Life-Science-Education" soll auf Veränderungen im Feld der Gesundheits- und Sozialsysteme adäquat reagiert werden.
Die Expertenkommission setzt hier deutliche Prioritäten und erkennt einen unterschiedlich hohen Abstimmungsbedarf mit den anderen Hochschulen in Berlin. Ein Studienangebot im Bereich der angewandten Volkswirtschaftslehre wird uneingeschränkt befürwortet, ein Abstimmungsbedarf mit anderen Hochschulen wird nicht gesehen. Ein Studiengang im Bereich "Wirtschaftsjournalismus" wird ebenfalls als sinnvoll angesehen, der Abstimmungsbedarf mit anderen Hochschulen wird als gering eingestuft. Im Bereich Life-Science wird eine Weiterentwicklung befürwortet, doch wird hier ein hoher Abstimmungsbedarf erkannt. Sämtliche erwähnten Ausweitungen des Fächerspektrums werden von der FHW Berlin weiter verfolgt. Der Schwerpunkt liegt derzeit im Bereich "Angewandte Volkswirtschaftslehre", doch wird auch das Projekt "Wirtschaftsjournalismus" und das Projekt "Life-Science" weiter verfolgt. Das Projekt Life-Science wird zusammen mit der ASFH betrieben und soll in einen grundständigen Studiengang auf dem Gebiet des Managements von Gesundheits- und Sozialsystemen münden.
Ausbau zu einer Hochschule für Wirtschaft und Kommunikation
Die FHW Berlin verfolgt schon seit Anfang der 90er Jahre das ehrgeizige Ziel, ein zweites fachliches Standbein zu gewinnen. Der Bereich "Kommunikation" könnte wegen seiner unmittelbaren Verbindung zum Gebiet der Wirtschaft eine solche Rolle gut erfüllen. Die Verwirklichung dieses Vorhabens war aber bislang nicht möglich. Auch im internationalen Bereich, bei den verschiedenen Spezialhochschulen für Wirtschaft des Auslandes, die z. T. zu unseren Partnern gehören, ist die Tendenz einer Ausweitung des Fächerspektrums festzustellen. Die diesbezügliche Empfehlung der Expertenkommission, die zumindest mittelfristig einen derartigen Ausbau vorschlägt, wird von der FHW Berlin vorbehaltlos begrüßt.
Schlussbemerkung
Alles in allem wäre mit den Vorschlägen der Gutachter eine erhebliche Erhöhung der Studienplätze an der FHW Berlin verbunden, hier insbesondere im Hinblick auf Studiengänge, die um die BWL herum konzipiert sind, und den Ausbau zu einer Hochschule für Wirtschaft und Kommunikation. Nach den Planungen der FHW Berlin könnte relativ kurzfristig die Zahl der Studienplätze um rund 700 erhöht werden. Ein solcher Ausbau stünde nach Art (Erweiterung des Fächerspektrums an Fachhochschulen) und Umfang (Erhöhung der Studienplätze an Fachhochschulen) in voller Übereinstimmung mit den Empfehlungen des Wissenschaftsrates und den Empfehlungen der Expertenkommission für Betriebswirtschaftslehre an Fachhochschulen.
Der Autor
Prof. Dr. Franz Herbert Rieger


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