Prof. Dr. Oesten Baller
Mechthild Bonnen
Im Jahr 1992 haben die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin und die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung Kehl mit drei polnischen Schools of Local Government in Szczecin, Kielce und Łodz vereinbart, ein Hochschulnetzwerk für den Bereich der Verwaltungsausbildung und -fortbildung zu gründen.
Das Netzwerk wurde in den Folgejahren durch die Aufnahme der Białystok School of Administration und der Universität Ermland-Masuren in Olsztyn (Fachbereich Recht und Verwaltung) erweitert und nennt sich seit dem Jahr 2000 „Forum deutscher und polnischer Verwaltungshochschulen / Forum Niemieckich i Polskich Szkół Administracji“. Im Jahr 2002 kamen die Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung in Meißen und die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung, Polizei und Rechtspflege als Mitglieder hinzu. Zwischen jeweils einer deutschen und einer polnischen Hochschule bestehen schriftliche Kooperationsvereinbarungen.
Die Studienangebote der beteiligten Hochschulen sind auf den Erwerb einer europabezogenen Verwaltungskompetenz ausgerichtet, die es den Absolventinnen und Absolventen ermöglicht, den immer enger werdenden Bezug zwischen europäischen Verwaltungsvorgaben und lokalen Verwaltungsstrukturen später reformorientiert umzusetzen. Dieses Qualifikationsprofil wird praxisbezogen vermittelt und der Praxisbezug ist demzufolge auch ein wesentliches Element im gemeinsamen Programm (z.B. Praktika und Exkursionen in Verwaltungen, deutsch-polnische Seminare). Als herausragend kann die bislang 16-jährige ununterbrochene Zusammenarbeit der neun Hochschulen bezeichnet werden, die in regelmäßigen Jahreskonferenzen, sowie in konsequenter Durchführung und Weiterentwicklung der Programme zum Ausdruck kommt. Die Verstetigung der Beziehungen, der Abbau gegenseitiger Vorurteile, die fachwissenschaftlichen Diskussionen, der Vergleich zwischen polnischen und deutschen Verwaltungstraditionen, die unmittelbaren Mitwirkungsmöglichkeit im Verwaltungsalltag eines anderen Landes sowie der damit verbundene Erwerb von Fremdsprachen sind von großer Nachhaltigkeit.
Unterschiedliche Organisationen, darunter die Stiftung für Deutsch-Polnische Zusammenarbeit.
Seit 1992 haben 230 polnische Studierende ein vierwöchiges Praktikum in deutschen Verwaltungen absolviert, davon jeweils die Hälfte in Berlin und im Kommunalverband bzw. bei der Stadt Kehl. Praxisfelder sind beispielsweise Bürgerbüros, Wirtschaftsämter, Umweltämter, Landratsämter. Die deutschen Hochschulen vermitteln die Praktikumsplätze, führen Einführungs- und Auswertungsveranstaltungen durch, organisieren die Unterkünfte sowie das Rahmenprogramm und übernehmen die Betreuung. Die Studierenden schreiben einen Bericht in deutscher Sprache. In sechs Fällen haben deutsche Studierende ein Praktikum in einer polnischen Verwaltung absolviert.
Gemeinsame Seminare werden jährlich abwechselnd in Polen und in Deutschland durchgeführt. Die Themen orientieren sich an aktuellen verwaltungs- und gesellschaftspolitischen Problemstellungen. Seminare seit dem Jahre 2000:
19.-24. April 2009 an der FHoVPR Güstrow: " EU-Dienstleistungsrichtlinie"
Am Ende eines jeden Jahres treffen sich Repräsentanten der Partnerhochschulen in Berlin, um über den Ablauf der Programme zu berichten und das Programm des Folgejahres festzulegen. Hierzu gehören die Festlegung von Ort und Thema des Seminars im nächsten Jahr, die Diskussion über Standards und die Beteiligung an den EU Programmen Erasmus und Leonardo, bilaterale Aktivitäten und Finanzierungsfragen.