Donnerstag, 15. Dezember 2011 um 18.00 UhrLIBERALE ODER SOLIDARISCHE MODERNE? - Ökonomie und Politik im Bann der Finanzkrise Streitgespräch im Rahmen des Studium Generale

Veranstaltungsort: Haus B, Raum 401, Campus Schöneberg
Veranstalter: Studium Generale

 
 

Dr. Karen Horn (Institut der deutschen Wirtschaft und Vorsitzende der Hayek-Gesellschaft)  

diskutiert mit

Prof. Dr. Stephan Lessenich (Soziologe, Friedrich-Schiller-Universität Jena und Institut Solidarische Moderne)

Gesprächsleitung:
Prof. Dr. Martin Kronauer (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin)

In dieser Diskussion geht es um zwei verschiedenartige Sichtweisen der Finanzkrise und um die politischen Konsequenzen daraus. Die einen deuten die Krise als Betriebsunfall der Marktwirtschaft, die anderen als Systemversagen. Die einen fordern eine liberale, die anderen eine solidarische Gesellschaft. Diese Positionen sollen in dem Streitgespräch aufgegriffen und näher beleuchtet werden.

Stephan Lessenich spricht von einer ‚Krise des Sozialen’: „Wir erleben eine grundlegende Umorientierung der staatlichen Politik – eine fundamentale Sozialreform, die im Kern darin besteht, die ehedem öffentliche Verantwortung für das Soziale zu privatisieren.“ Er kritisiert damit gerade das, was die ordnungspolitische Liberale Karen Horn vom Staat in einer funktionierenden Marktgesellschaft fordert: „Jede Politik, die versucht, die natürlichen Ergebnisse des Marktprozesses im nachhinein zu korrigieren, stellt schiere Willkür dar.“

Stephan Lessenich kritisiert eine Welt, „die immer stärker geprägt wird von einer nur noch an kurzfristigen Renditen ausgerichteten Marktwirtschaft, deren ökonomische ‚Effizienz’ zu bezweifeln ist“. Dagegen hält Karen Horn für die Marktwirtschaft fest: „Auf dem Feld der Ökonomie greifen Sachzwänge.“

Gegensätze auch in der Politik. Stephan Lessenich fordert eine „politische Alternative zum Neoliberalismus, die den Grundwerten der freiheitlichen Selbstbestimmung und der grenzüberschreitenden Solidarität verpflichtet sein muss“, Karen Horn warnt vor der  Gefährdung der individuellen Freiheit durch den Staat: „Mit Hilfe der Politik finden regelmäßig weitergehende Übergriffe statt, werden Menschen zum Mittel für die Zwecke anderer.“

Letztlich geht es damit auch um den Inhalt der Leitbilder von Freiheit und Solidarität. Schließen sie sich aus oder bedingen sie einander?

Wir freuen uns auf eine lebendige, lehrreiche Diskussion.