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So können Verwaltungen transparent kommunizieren

Das Projekt »XICHT« erforscht die Bedeutung von Transparenz in der Kommunikation von staatlichen Behörden und reflektiert wissenschaftliche Ergebnisse künstlerisch.

06.05.2020

Das Wort Kosten steht auf gelbem Untergrund. Foto: © Hannes Hoelzl, Alberto de Campo
Das Projekt »XICHT« reflektiert Forschungsergebnisse als szenografische Intervention, unter Einsatz moderner Technik. Foto: © © Hannes Hoelzl, Alberto de Campo

Das Projekt »XICHT – eXperimentell Interaktive Chancen auf Transparenz der Verwaltung« erforscht die Bedeutung von Transparenz innerhalb von Behördenkommunikation und reflektiert die wissenschaftlichen Erkenntnisse künstlerisch. Behördenkommunikation wird dabei in einem weiten Sinn als Selbstdarstellungspraxis verstanden, welche immer auch der Legitimierung des behördlichen Handelns dient; das Herstellen von Transparenz spielt dabei eine herausragende Rolle und wird in Form einer szenografischen Intervention explizit gemacht.

Was verstehen Verwaltungen unter Transparenz?

Konkret geht das interdisziplinäre Team der Frage nach, was Leistungs-, Ordnungs- und Wirtschaftsverwaltungen unter Transparenz verstehen und wie sie die so verstandene Transparenz innerhalb ihrer Selbstdarstellungen zu erzeugen versuchen. Welches Gesicht wenden sie der Öffentlichkeit zu? Vorliegende Medien und Artefakte dieser Verwaltungen wie etwa Webseiten, Broschüren und Berichte werden mit qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung untersucht, ebenso die Haltungen von Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeitern zu Transparenz.

Szenografische Intervention mit moderner Technik

Die künstlerische Reflektion der Forschungsergebnisse wird auf dem Wege einer szenografischen Intervention nach antikem Vorbild, aber unter Einsatz moderner Technik erfolgen: Ausgewählte Behörden können, beispielsweise durch Projektionen auf Gebäudefassaden, ein anderes Gesicht machen.

Damit zeichnet sich das Vorhaben durch einen innovativen und experimentellen Ansatz aus, der sowohl über eine wissenschaftsinterne Debatte als auch über das rein sprachliche und gestalterische Überarbeiten vorhandener Medien deutlich hinausgeht. Denn der gezielte Einsatz von Szenografie spricht die breite Öffentlichkeit an. XICHT trainiert den Verwaltungen damit nicht einen aufgesetzten anderen Gesichtsausdruck an, sondern untersucht interaktiv, warum welches Gesicht gemacht wird.

Bemühen um Transparenz erzeugt Intransparenz

Die forschungsleitende Hypothese von XICHT ist, dass das Bemühen um Transparenz in behördenspezifischen paradoxen Situationen stattfindet: Behörden konkretisieren abstrakte Vorstellungen von Transparenz so, dass im Ergebnis nicht Transparenz sondern Intransparenz entsteht.

Die Reflektion und das szenografische Re-Präsentieren der forschungsbasierten Erkenntnisse werden über mediale Aufmerksamkeit in der breiten Öffentlichkeit einen Diskurs über die Selbstvergewisserung des demokratischen Rechtsstaates und seine bürokratische Herrschaft anstoßen, der zu einer Legitimität „zweiter Ordnung“ führen kann.

Projektleitung:   

Projektlaufzeit:

1. April 2020 bis 31. März 2022

Projektpartner:


Gefördert durch das Institut für angewandte Forschung Berlin