Neuigkeit | Themenjahr Verantwortung

Aus alt wird neu: Studierende nähen für Obdachlose

Mit »The Helping Needle« haben sechs Studierende der HWR Berlin ein gemeinnütziges Projekt ins Leben gerufen. Und so wurden aus Bettdecken Schlafsäcke und aus aussortierter Kleidung Masken und Mützen.

03.03.2021

Draufsicht: Nähmaschine, darunter ein ein gestreifter Stoff.
Foto: privat

Das akademische Jahr 2020/21 ist dem Thema „Wir übernehmen Verantwortung“ gewidmet. Dass auch viele Studierende der HWR Berlin bereits während ihres Studiums gesellschaftliche Verantwortung übernehmen, zeigt das Beispiel von »The Helping Needle»«. Sechs junge Menschen wollten im Rahmen des Kurses »International Project Management« ein nachhaltiges Projekt entwickeln und gleichzeitig anderen etwas Gutes tun.

Im folgenden Interview beantworten sie fünf Fragen zu ihrem Projekt.

Wer ist das Team hinter »The Helping Needle«? Was ist eure Idee?

Wir sind Adele, Judith, Laurina, Maxi, Matthew und My. Wir studieren alle im ersten Semester den Masterstudiengang International Business and Consulting. Durch den Kurs »International Project Management« unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Habermann sind wir zu unserem Projekt gekommen. Anfangs sollten wir in Teams aus zwei bis drei Personen Ideen für ein Innovationsprojekt finden. Die einzigen Bedingungen: die Gedanken fließen lassen, nicht nein sagen und offen für alles Neue sein! So kamen My, Adele und Maxi zunächst auf die Idee, aus aussortierter Kleidung Schlafsäcke zu nähen und diese an bedürftige Menschen weiterzugeben. Nach einem Pitch aller Ideen landete diese unter den Top 5. Unser Dozent hat uns dann nach unseren »Superpowers« in Gruppen aufgeteilt. Wir sind bis heute sehr glücklich, dass wir sechs in diesem Projekt gelandet sind!

Als wir dann mit der konkreten Arbeit angefangen haben, haben wir festgestellt, dass Schlafsäcke gar nicht so einfach zu nähen sind – insbesondere nicht, wenn sie auch noch bei Minusgraden warmhalten sollen. Somit sind wir durch eine Umfrage bei unserer Zielgruppe (Was ist man überhaupt bereit zu nähen?) und durch Mail-Befragungen bei gemeinnützigen Organisationen (Welchen Bedarf gibt es konkret?) auf warme Winterkleidung (Mützen und Schals) sowie Masken gekommen. So hat das Projekt dann seinen Lauf genommen bis hin zu unseren Näh-Tutorials zu den genannten Kleidungsstücken. Unsere größten Motivatoren sind: Nachhaltig sein und gleichzeitig etwas Gutes tun!

Wie hat sich euer Projekt danach weiterentwickelt?

»The Helping Needle« ist ein gemeinnütziges Hochschulprojekt in Kooperation mit der youngcaritas Berlin. Daher war eine ganz besondere und wichtige Begegnung die mit der youngcaritas. Sie waren von Anfang an von unserem Projekt begeistert und haben uns in wichtigen Teilen des Projektes sehr unterstützt. So haben wir ehrenamtliche Näher/innen kennengelernt, die uns Tipps und Tricks zum Nähen gegeben haben, die wir an unsere Follower über Instagram weitergeben konnten. Außerdem haben wir dadurch auch unsere Näherin Elena kennengelernt. Dank ihr sind unsere Videos überhaupt so professionell geworden, wie sie es nun sind. Und natürlich nicht zu vergessen, konnten unsere Videos nun so über viel mehr Kanäle geteilt werden.

Aber es gab noch weitere essentielle Begegnungen, die unser Projekt ausmachen. So haben wir ganz am Anfang des Projektes zunächst mit obdachlosen Menschen gesprochen, um herauszufinden, ob sie an solchen selbstgenähten Kleidungsstücken überhaupt interessiert wären. Die Antwort lautete ganz klar: JA.

Über welches Feedback habt Ihr Euch besonders gefreut?

Eine tolle Erinnerung ist der Kontakt zu youngcaritas Berlin, der sich im Laufe der letzten Monate zu einer sehr wertvollen Partnerschaft entwickelt hat. Angefangen mit einer Kontaktanfrage im November 2020 haben wir dank der langjährigen Erfahrung des Teams stetig Feedback zu unseren Ideen erhalten, viel Unterstützung erfahren und konnten so unsere Idee, Videotutorials für eigene Näharbeiten mit Hilfe der lieben Näher/innen aus dem *vergissmeinnicht*-Projekt umsetzen. Die Chemie zwischen uns und dem Team von youngcaritas Berlin hat einfach von Anfang an gestimmt und für uns war das, besonders im aktuellen Online-Semester, eine tolle Erfahrung.

Ein ganz besonders tolles Feedback hat uns letztens per Nachricht bei Instagram erreicht. Eine Frau war auf unser Projekt aufmerksam geworden und wollte es gerne unterstützen, obwohl sie nicht aus Berlin kommt. Sie wird nun eine Organisation in ihrer Region suchen, bei der sie ihr Selbstgenähtes abgeben kann.

Was bedeutet es für euch persönlich, Verantwortung zu übernehmen?

Uns als jungen Studierenden, die in weniger als zwei Jahren auf dem Arbeitsmarkt durchstarten wollen, wurde Raum gegeben, aktiv zu werden und all unsere »Superkräfte« einzusetzen, um etwas zu bewegen. Unsere Entscheidung, ein reales Problem aus dem karitativen Bereich anzugehen, hat uns gezeigt, dass wir vor den kleinen und großen Herausforderungen unserer Zeit nicht zurückschrecken dürfen. Unser Hashtag #eachstitchcounts ist zu unserem Leitmotiv geworden und wir verbinden damit eben auch, dass jede/r aktiv werden kann und selbst wenn es nur eine Stunde pro Monat ist.

Wir sind der festen Überzeugung, dass unser Projekt gerade bei uns selbst zu einer gestärkten Selbstreflexion als auch Sensibilisierung für das Thema Obdachlosigkeit geführt hat. Uns ist einfach nochmal bewusster geworden, wie dringend notwendig hier jede Hilfe ist!

Wie kann man Euer Projekt unterstützen?

Unser Projekt lebt davon, unsere Botschaft weiterzutragen. Ihr könnt euch über unseren Instagram-Kanal informieren, unsere Videos schauen, anderen davon berichten und dann gemeinsam aktiv werden, indem ihr Kleidungsstücke näht und diese spendet. Wenn ihr dann noch Lust auf mehr bekommen habt, dann kann euch das *vergissmeinnicht*-Projekt der youngcaritas Berlin außerdem tolle weitere Ideen für gemeinnützige Upcycling-Projekte geben. Schau doch mal auf der Webseite vorbei: www.youngcaritas.de/vergissmeinnicht.

Wir können immer nur sagen: #eachstitchcounts.

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