Kritisch unter der Lupe: digitale Märkte

„Digitale Macht. Funktioniert der Wettbewerb im Internet?“ fragte Kay Weidner, Pressesprecher des Bundeskartellamtes, im Rahmen der Vortragsreihe „VWL in der Praxis“ am 19. Januar an der HWR Berlin. Im Fokus stand die teilweise rigide Wettbewerbspolitik der Internetgiganten Facebook, Amazon und Google.

23.01.2018

„Digitale Macht. Funktioniert der Wettbewerb im Internet?“ fragte Kay Weidner, Pressesprecher des Bundeskartellamtes, im Rahmen der Vortragsreihe „VWL in der Praxis“ am 19. Januar an der HWR Berlin. Im Fokus stand die teilweise rigide Wettbewerbspolitik der Internetgiganten Facebook, Amazon und Google. Die digitale Transformation berührt nicht nur nahezu alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens, auch die die staatlichen Strukturen befinden sich gegenwärtig in einem spannenden Anpassungsprozess. Fragen des Datenschutzes und der Privatsphäre haben heutzutage eine andere Bedeutung als noch vor einigen Jahren, aber auch die wirtschaftliche Macht von Facebook, Amazon und Google rückt zunehmend in den Fokus der allgemeinen Öffentlichkeit. Es ist daher zu analysieren, ob die gegenwärtigen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen geeignet sind, die Fragen der Entstehung von Marktmacht und deren Missbrauch effizient zu bekämpfen. Am Beispiel der Wettbewerbspolitik berichtete Kay Weider, Pressesprecher des Bundeskartellamts, an der HWR Berlin über Aspekte von Marktmacht und Marktmachtmissbrauch auf den digitalen Märkten. Gemeinsam mit Studierenden aus dem Bachelorstudiengang Economics und der interessierten Hochschulöffentlichkeit diskutierte er ausführlich die wettbewerbspolitischen Aspekte der Digitalisierung. Zur Sprache kamen Aspekte der Plattformökonomie, die jüngsten Vorstöße des Bundeskartellamts gegen die Datensammelwut bei Facebook, oder die abgeschlossenen Verfahren gegen Amazon und Hotelbuchungsplattformen. Neben diesen Fallbeispielen erläuterte Herr Weidner auch die neuen Kompetenzen, die das Bundeskartellamt im Zuge der GWB-Novelle im Verbraucherschutz erhalten hat, sowie Änderungen bezüglich der Fusionskontrolle und Klarstellungen zur Missbrauchsaufsicht auf Plattformen und digitalen Märkten, auf denen Leistungen oftmals nicht durch Preise vergolten werden. Zu diesen spannenden Fragen wurde unter großer Beteiligung eine lebhafte Diskussion geführt. Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „VWL in der Praxis“ statt, die regelmäßig von Prof. Dr. Andreas Polk organisiert wird, der zu Fragen der Wettbewerbs- und Regulierungspolitik sowie zu Fragen des Lobbyismus in Deutschland lehrt und forscht. Die Reihe dient dazu, die in den Lehrveranstaltungen vermittelten theoretischen und praktischen volkswirtschaftlichen Konzepte mit Beispielen aus der Praxis zu komplementieren. Hierzu werden regelmäßig Vertreter aus Politik und Wirtschaft zu Veranstaltungen an die HWR Berlin eingeladen, um dort über ihre Praxiserfahrungen zu berichten.