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Nachruf Prof. Dr. habil. Harald Gleißner

Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin trauert um ihren Ersten Vizepräsidenten, Professor Harald Gleißner, der vor wenigen Tagen völlig unerwartet verstarb.

09.07.2019

Prof. Dr. Harald Gleißner
Foto: Werner Hallatschek

Harald Gleißner wurde am 7. Mai 1960 in Singen/Hohentwiel geboren. Aus einem nicht-akademischen Haushalt stammend, war seine Schul- und Studienzeit gekennzeichnet vom Bildungsaufstieg, den er zielstrebig meisterte. Nach dem Erwerb des Fachabiturs an der Höheren Handelsschule in Radolfzell schloss er während seines Dienstes als Soldat auf Zeit von 1979 bis 1982 eine Ausbildung zum Bürokaufmann ab. Im Anschluss nahm er ein Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule für Wirtschaft Pforzheim auf, das er im Jahr 1987 abschloss. Bereits während der Studienzeit konnte er internationale Erfahrung sammeln, als er 1985 in New York bei der Bank of Boston ein Praktikum absolvierte. In den Jahren 1987 bis 1992 studierte er nebenberuflich an der FernUniversität Hagen und erwarb den Grad des Diplom-Kaufmanns. Ebenfalls neben dem Beruf promovierte er im Jahr 2000 an der Universität Kassel zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit zum Thema „Logistikoptionen zwischen Industrie und Handel“ bei Prof. Dr. Vahrenkamp am Lehrstuhl für Produktionswirtschaft und Logistik.

In den Jahren 1987 bis 1992 arbeitete Harald Gleißner an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis am Institut für Innovation und Transfer der Fachhochschule für Wirtschaft, an der Forschungsstelle der Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik e. V. und am Transferzentrum Innovationsmanagement der Steinbeis-Stiftung für Wirtschaftsförderung, alle in Pforzheim. Er wechselte 1992 in die Praxis und arbeitete als Organisationsberater bei der Dr. Waldmann und Partner GmbH, München und Bad Homburg. Im Jahr 1996 wechselte er zur Neckermann Versand AG, Frankfurt. Dort gelang ihm ein schneller Aufstieg bis zum Bereichsleiter Planung/Steuerung/Controlling für die Distribution Stückgut/Großgut der Versandhandelssparte im KarstadtQuelle-Konzern.

Zum 1. April 2004 wurde Harald Gleißner vom damaligen Rektor der Fachhochschule für Wirtschaft Berlin, Prof. Dr. Franz Herbert Rieger, zum Professor für Spedition und Logistik ernannt. Zum selben Zeitpunkt übernahm er die Aufgaben des Fachleiters der Fachrichtung Spedition/Logistik im Dualen Studiengang Betriebswirtschaftslehre. Seit 2008 wirkte er als Direktor des Instituts für Logistik, einem Kompetenzzentrum für praxisorientierte logistische Themenstellungen und Transferleistungen. Von Oktober 2011 an war er Dekan des Fachbereichs Duales Studium Wirtschaft · Technik und führte bis März 2012 daneben das Amt des Fachleiters Spedition/Logistik fort. Nach seiner Wiederwahl als Dekan des Fachbereichs im Jahr 2013 wurde er am 19. Januar 2016 zum Ersten Vizepräsidenten der HWR gewählt; dieses Amt übte er seit dem 1. April 2016 aus und verantwortete in seinem Ressort die Bereiche Forschung und Internationales. Seinem Wirken ist es zu verdanken, dass die HWR Berlin die Internationalisierung und ganz besonders die Studierendenmobilität ausweiten und neue Partnerhochschulen in aller Welt gewinnen konnte. Auch der Aufbau eines Sprachenzentrums ist seinem persönlichen Einsatz zu verdanken. Die Forschungsförderung war ihm ein weiteres wichtiges Anliegen. So gelang es der HWR Berlin unter seiner Leitung, ein Konzept zu entwickeln, nach dem erstmals haushaltfinanzierte Stellen für wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vergeben werden können.

Harald Gleißner setzte sich auch außerhalb der eigenen Hochschule für die Förderung wissenschaftlicher Themen ein. Er wurde am 23. Mai 2019 zum Vorsitzenden der Verbands Duales Hochschulstudium Deutschland e. V. gewählt, nachdem er mit großer Umsicht die Vorbereitungen der Verbandsgründung mit Kollegen aus ganz Deutschland koordiniert hatte. Seit 2018 arbeitete er als Vorsitzender des Vorstands des Instituts für Angewandte Forschung Berlin (IFAF) e.V., das fächer- und hochschulübergreifende Zusammenarbeit der Berliner Fachhochschulen im Wissens- und Technologietransfer fördert.

Auch nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst blieb Harald Gleißner der Bundeswehr als Reserveoffizier, zuletzt im Rang eines Oberst d. R. beim Logistikkommando der Bundeswehr, eng verbunden. Ferner beriet er den Stellvertretenden Generalinspekteur der Bundeswehr in Reservistenangelegenheiten der Streitkräftebasis.

Die HWR Berlin verliert mit Harald Gleißner einen großartigen Kollegen. Er ging offen und freundlich auf Kolleginnen und Kollegen sowie Studierende zu. Sein hintergründiger Humor und seine große Hilfsbereitschaft machten ihn an der ganzen Hochschule und weit darüber hinaus sehr beliebt. Seine vielfältige und richtungsweisende Arbeit wird an der HWR Berlin noch lange wirken. Wir werden Harald Gleißner vermissen.

Kondolenzbücher liegen am Campus Lichtenberg im Haus 5, Raum 4010 und am Campus Schöneberg im Haus A, Raum 2.52 ab dem 17. Juli bis zum Semesterbeginn aus.

Berlin, den 9. Juli 2019

Der Präsident
Prof. Dr. Andreas Zaby