Neuigkeit | Interview

„Aufklären, Informieren, Nicht-Vergessen“

Eine Gedenktafel erinnert an die Unterbringung der Abteilung Kriegsgefangenenwesen des Oberkommandos der Wehrmacht in Haus B der HWR Berlin. Die Designerin Helga Lieser hat sie gestaltet.

30.10.2019

Foto: Dieter Düvelmeyer

Im heutigen Haus B der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) am Campus Schöneberg war ab 1940 die Abteilung Kriegsgefangenenwesen des Oberkommandos der Wehrmacht untergebracht. Am 7. November 2019 wird im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung im Foyer der Badenschen Straße 50−51 eine Gedenktafel enthüllt. Für die Designerin Helga Lieser ist  diese Arbeit ein weiterer Baustein ihrer langjährigen gestalterischen Tätigkeit im Gedenkbereich.

Frau Lieser, Sie haben diverse Gedenkorte in Berlin gestaltet. Gibt es einen Leitgedanken in Ihrer Arbeit?

Erinnerungskultur − so wie wir sie heute verstehen − ist in den 1980er Jahren entstanden. Für mich standen an erster Stelle die Anliegen: Aufklären, Informieren, Nicht-Vergessen. Von 1993 bis 2005 habe ich das antifaschistische Gedenktafelprogramm im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg betreut − inhaltlich, gestalterisch und in der Umsetzung. Das war der Einstieg in meine jetzige Arbeit. Der Einsatz für Gedenken und Mahnen ist gerade in der heutigen Zeit bedeutsam, in der Rassismus, Diskriminierung, Ausgrenzung, Antisemitismus, Hetz- und Hasskampagnen wieder zunehmen. Insbesondere junge Menschen sollten gut informiert und wachsam sein.

Was bedeutet es, direkt an historischen Orten Mahn- und Gedenkorte einzurichten?

Den Ort zu kennzeichnen, ihn durch Information zum Sprechen zu bringen und ihm dadurch eine neue, tiefere Bedeutung zu geben, ist mein Anliegen. Meine Gedenktafeln wachsen aus dem Boden heraus und legen quasi eine historische Schicht frei. Damit möchte ich heutige Betrachterinnen und Betrachter mit früher Geschehenem verbinden und ein Zeichen setzen. Für ehemalige Internierte als Betroffene sind diese Gedenkorte wichtige Orte des Respekts vor ihrem Schicksal und der Anerkennung. Die Arbeit mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen hilft, Geschichte aufzuarbeiten und in Erinnerung zu behalten. Gedenkarbeit rüttelt auf.

Was reizte Sie an der Aufgabe der Gestaltung einer Gedenktafel für die HWR Berlin?

Es ist für mich ein weiteres Puzzlestück der Berliner und der deutschen Geschichte, an die im öffentlichen Raum erinnert wird. Inzwischen gibt es ein Netz von „erzählenden“ Gebäuden und Plätzen in der Stadt, sodass die Betrachterinnen und Betrachter eine gute Vorstellung von vergangen Zeiten erhalten und sich über die nach wie vor wichtigen Themen informieren können. Diese Aufarbeitung sollte nicht aufhören. Ich bin dankbar für den Auftrag der HWR Berlin.