Sicherheit an personalarmen Bahnhöfen
Prof. Dr. Christoph Kopke und Dr. Florian Flörsheimer rücken mit einer sozialwissenschaftlichen Studie einen wenig erforschten Aspekt der Sicherheitswahrnehmung im öffentlichen Raum in den Fokus.

Die geplante sozialwissenschaftliche Grundlagenstudie „Sicherheit an personalarmen Bahnhöfen" befasst sich mit dem Sicherheitsempfinden an Bahnhöfen, die wenig oder kein Sicherheitspersonal haben. Das von der Deutschen Bahn beauftragte Forschungsvorhaben erweitert eine vorherige Studie über die Hauptbahnhöfe in Hamburg und Frankfurt am Main sowie den Ostbahnhof in Berlin - urbane Großbahnhöfe mit hoher Frequenz an Bahnreisenden, anderen Nutzern und Nutzerinnen sowie mit Sicherheitspersonal.
Fokus auf suburbane und ländliche Bahnhöfe
Die neue Studie konzentriert sich dagegen auf Bahnhöfe in suburbanen und ländlichen Gebieten. Ziel ist es, die spezifischen Sicherheitsbedürfnisse und das Unsicherheitsempfinden in diesen Bereichen zu erforschen und Unterschiede zu Metropolbahnhöfen zu erkennen.
„Zunächst wollen wir uns mit ländlichen Sicherheitsmentalitäten beschäftigen. Nach der Auswahl der konkret zu untersuchenden Bahnhöfe auf Basis vorhandener statistischer Daten wird eine Begehung dieser Bahnhöfe mit anschließender teilnehmender Beobachtung vor Ort stattfinden", erläutert Dr. Florian Flörsheimer.
Subjektive Unsicherheitsgefühle erkennen
Die Studie verwendet ein Mixed-Method-Design aus qualitativen und quantitativen Methoden, um diverse Aspekte von Sicherheit und Unsicherheit besser zu verstehen. Sie beinhaltet Begehungen, Beobachtungen und Interviews an ausgewählten personalarmen Bahnhöfen und stützt sich auf Theorien aus der Kriminologie und den Sozialwissenschaften, wie zur Kriminalitätsfurcht und Konzepten zu Sicherheitsmentalitäten
„Insgesamt geht es darum, zunächst festzustellen, welche subjektiven Unsicherheitsgefühle sich aufzeigen lassen, warum es zu diesen kommt, woran sie sich festmachen und ob und wie diese sich eventuell von Wahrnehmungen im großstädtischen Raum unterscheiden", so Flörsheimer. Dieses subjektive Empfinden wird der objektiven Sicherheitslage gegenübergestellt, um Diskrepanzen feststellen zu können.
Am Ende wird es auch um die Frage gehen, welche Konsequenzen aus den Ergebnissen zu ziehen wären – ob die Lösung beispielsweise eher in baulichen Maßnahmen, neuen Kooperationen, neuen Strategien oder auch in einer Erhöhung des Personalbestandes liegen sollte.
Projektverlauf
Das Forschungsprojekt ist in drei Phasen unterteilt und dauert insgesamt etwa zwölf Monate.