25 Jahre HTMI: Feministische Utopien im Dialog
Mehr als 100 Gäste feierten das 25-jährige Jubiläum des HTMI. Wissenschaft, Politik und Praxis diskutierten über feministische Utopien und Zukunftsperspektiven der Geschlechterforschung.

Mit einer festlichen Jubiläumsveranstaltung feierte das Harriet Taylor Mill-Institut für Ökonomie und Geschlechterforschung (HTMI) der HWR Berlin am 12. Juni 2026 sein 25-jähriges Bestehen. Mehr als 100 Gäste aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Gewerkschaften sowie zahlreiche Alumni und langjährige Wegbegleiter*innen kamen zusammen, um auf ein Vierteljahrhundert interdisziplinärer Geschlechterforschung zurückzublicken und Perspektiven für die Zukunft zu diskutieren.
Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Direktorin des HTMI, Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok, gemeinsam mit dem Präsidenten der HWR Berlin, Prof. Dr. Jens Hermsdorf. In ihrem Grußwort würdigte die Berliner Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung, Cansel Kiziltepe, die Bedeutung geschlechterwissenschaftlicher Forschung für Wissenschaft, Politik und Gesellschaft.
Die Helm & Der Weller begleiteten mit queer-feministischen und politischen Liedern der 1920er-Jahre sowohl die Eröffnung als auch den Wiedereinstieg nach der Pause und schlugen damit eine Brücke zwischen historischen Frauen*bewegungen und aktuellen Debatten.
Entstehung und Entwicklung des Instituts
In ihrer Würdigung blickte die Gründungsdirektorin des HTMI, Prof. Dr. Friederike Maier, auf die Entstehung und Entwicklung des Instituts zurück. Im Mittelpunkt ihres Beitrags stand die Frage, welche Voraussetzungen ein geschlechterforschendes Institut benötigt, um über 25 Jahre hinweg erfolgreich wissenschaftlich und gesellschaftlich wirken zu können. Dabei hob sie insbesondere die Bedeutung wissenschaftlicher Qualität, institutioneller Verankerung, engagierter Personen und tragfähiger Netzwerke hervor.
Gesellschaft und Care-Arbeit
Den Festvortrag hielt die Soziologin und Geschlechterforscherin Prof. Dr. Sabine Hark unter dem Titel „Sorge als feministische Utopie. Oder: Wie wir die Welt miteinander teilen.“ Ausgehend von der feministischen Care-Perspektive zeigte sie, dass wirtschaftliches und gesellschaftliches Zusammenleben auf Sorge beruht und deshalb auch Wirtschaft und Gesellschaft vom Standpunkt der Sorge her gedacht werden müssen. Sorge verstand sie dabei als demokratisches Prinzip, das Teilhabe ermöglicht und Zusammenhalt stiftet. Zugleich warnte sie vor politischen Entwicklungen, die Sorge an Zugehörigkeit und Ausgrenzung knüpfen und damit demokratische Solidarität untergraben.
Während der Pause nutzten die Gäste die Gelegenheit zu einem Rundgang durch die Ausstellung „25 Jahre HTMI“, die die Entwicklung des Instituts anhand ausgewählter Stationen dokumentierte. Erstmals öffentlich vorgestellt wurde zudem eine illustrierte Kurzbiografie der Namensgeberin Harriet Taylor Mill, entwickelt von der Comic-Essayistin Dr. Julia Schneider (Doc J Snyder) gemeinsam mit der Illustratorin Zoe Branczyk.
Harriett Taylor Mill
Der großformatige illustrierte Aufsteller vermittelt Harriet Taylor Mills Leben und Wirken auf anschauliche und zugängliche Weise und eröffnet einen neuen Zugang zu ihrer Person und ihren Ideen.
Ein interdisziplinär besetztes Podiumsgespräch mit Vertreterinnen aus Ökonomie, Soziologie, Rechtswissenschaft, Politik und Gewerkschaftsarbeit griff die Leitfrage nach feministischen Zukunftsentwürfen aus unterschiedlichen fachlichen und generationenübergreifenden Perspektiven auf. Die lebendige Diskussion machte deutlich, wie fruchtbar der Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis für die Weiterentwicklung feministischer Wirtschaftspolitik sein kann.
Austausch beim Sommerfest
Beim anschließenden Sommerfest bot sich vielen langjährigen Wegbegleiter*innen des HTMI die Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Die offene, festliche und zugleich fröhliche Atmosphäre sowie die zahlreichen Begegnungen machten das Jubiläum zu einem besonderen Tag für das Institut und seine Gäste. Das Jubiläum verband wissenschaftliche Debatten mit persönlichen Begegnungen und machte einmal mehr deutlich, wie sehr das HTMI von seinem weit verzweigten Netzwerk und dem Engagement seiner Wegbegleiter*innen lebt.
Mit seinem 25-jährigen Jubiläum unterstrich das HTMI seine Rolle als interdisziplinär arbeitendes Institut für Geschlechterforschung an den Schnittstellen von Ökonomie, Recht, Verwaltung und Digitalisierung und setzte zugleich Impulse für zukünftige Debatten über feministische Gesellschaftsentwürfe. 25 Jahre HTMI – viele gute Gründe, diesen Weg weiterzugehen.

















