»Eine Herausforderung, für die es sich einzusetzen lohnt«
Die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der HWR geben einen Einblick in die Beweggründe, sich zu engagieren, sprechen über ihre Erfahrungen und formulieren Wünsche für ihre Amtszeit 2026–2028.
Seit dem 1. April 2026 sind die neuen dezentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und die Stellvertreterinnen der zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Amt. In diesem Artikel stellen sie sich vor und geben Einblick in ihre Beweggründe, sich als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte zu engagieren, sprechen über eigene Erfahrungen mit dem Thema und formulieren Wünsche für ihre Amtszeit.
Was sind die Aufgaben einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten?
Das Berliner Hochschulgesetz (BerlHG) sieht zur Verwirklichung der verfassungsrechtlich gebotenen Gleichstellung von Frauen und Männern unter anderem die Bestellung von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten (FGB) vor. So gibt es an jeder Berliner Hochschule eine hauptberufliche (zentrale) Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte und bis zu drei nebenberufliche Stellvertreterinnen. Zudem hat jeder Fachbereich einer Hochschule jeweils eine dezentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte und bis zu drei Stellvertreterinnen.
Als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte setzen sich die hier vorgestellten Frauen für die Verwirklichung der Gleichstellung von Männern und Frauen an der Hochschule ein. Dazu nehmen sie eine beratende und unterstützende Funktion gegenüber der Hochschulleitung und anderen Organen der Hochschule ein. Zugleich sind sie wichtige Ansprechpartnerinnen für die Belange der Hochschulangehörigen hinsichtlich geschlechtsbezogener und sexualisierter Diskriminierung und Gewalt.
Die zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an der HWR Berlin
Als amtierende zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte widmet sich Viola Philipp der Gleichstellungsarbeit an der HWR Berlin hauptberuflich.
Einer ihrer Arbeitsschwerpunkte ist die Herstellung und Sicherung der Chancengleichheit für Frauen. Dazu zählt sowohl die Steigerung des Frauenanteils bei Leitungspositionen im professoralen Bereich als auch die Förderung des weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchses und weiblicher Studierender in Studiengängen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind. Auch die Förderung von HAW-Absolventinnen sowie die Unterstützung der gendersensiblen Lehre und Forschung sind Bestandteile der Gleichstellungsarbeit.
Zuletzt konnte mit der Satzung zu Diversität und zum Schutz vor Diskriminierung nach BerlHG ein weiteres Instrument zur Förderung von Vielfalt und zum Schutz vor Diskriminierung an der HWR geschaffen werden. Dazu gehört auch die Wahl einer beauftragten Person für Diversität und Antidiskriminierung. Viola Philipp arbeitet daher auch mit der neu gewählten Beauftragten Selen Soysal und der Diversitätskoordinatorin der Hochschule Sonja Janositz eng zusammen bei der Weiterentwicklung der Chancengerechtigkeit an der Hochschule.
Stellvertreterinnen der zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten stellen sich vor
Bereits seit dem 01.04.2022 wird die hauptberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte von ihrer Stellvertreterin Prof. Dr. Anja Berger, Professorin für Psychologie am FB 5, unterstützt. Anja Berger wurde 2026 in dieser Position wiedergewählt. Neu gewählte stellvertretende hauptberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sind Sonja Niedecken, Referentin der Hauptberuflichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten und Silvia Gigante, Forschungsreferentin im Zentralreferat Forschungsförderung.
Kontakt:
- Prof. Dr. Anja Berger: anja.berger(at)hwr-berlin.de
- Sonja Niedecken: Sonja.Niedecken(at)hwr-berlin.de
- Silvia Gigante: Silvia.Gigante(at)hwr-berlin.de
Was hat Sie dazu bewogen, sich auf das Amt der stellvertretenden zentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zu bewerben?
Anja Berger: Die Gleichstellungsarbeit ist nicht nur eine fachliche Herausforderung, sondern vor allem eine Leidenschaft, die mich während meiner gesamten beruflichen Laufbahn begleitet hat. Meine Forschungsthemen und -tätigkeiten zu Geschlecht, Geschlechterrollen, sexualisierter Gewalt, Gewaltprävention oder Vereinbarkeit haben mich nicht nur grundsätzlich sensibilisiert für die vielfältigen Herausforderungen, denen Menschen aufgrund ihres Geschlechts bzw. ihrer Identität gegenüberstehen können, sondern mir zudem ein breites theoretisches Verständnis für die komplexen Dynamiken von Geschlecht und Gleichstellung vermittelt.
Ich bin davon überzeugt, dass Gleichstellungsarbeit einen entscheidenden Beitrag zur Schaffung eines inklusiven, chancengleichen und diskriminierungsfreien Hochschulumfelds leistet. Und obwohl es heißt, dass „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“ oder „Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“ (Art. 3 GG) – werden diese Rechte immer noch nicht in einer Souveränität und Selbstverständlichkeit gelebt und umgesetzt, wie es wünschenswert wäre und gesetzlich vorgeschrieben ist.
Es zeigt sich einfach an zu vielen Stellen und Momenten im Alltag, wie fest Geschlechterdifferenzen in unserer Gesellschaft noch verankert und wie häufig die männlichen Stimmen - gerade in Entscheidungsprozessen - mitunter noch so viel lauter sind. Es gibt in diesem Bereich noch viel zu tun.
Sonja Niedecken: Die strukturelle Förderung von Geschlechtergerechtigkeit ist für mich weit mehr als ein Querschnittsthema – sie ist ein zentraler Baustein einer demokratischen, zukunftsfähigen Hochschule. Als Referentin der hauptberuflichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Viola Philipp arbeite ich täglich an den Themen, die als stellvertretende FGB zu behandeln sind. Ich merke, wie essenziell ein starker Einsatz für Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit im Hochschulalltag ist. Studierende haben ein Recht auf ein Studium ohne Sexismus und veraltete Stereotype. Die Beschäftigten und Lehrenden der HWR haben das Recht auf einen sicheren Arbeitsplatz, frei von Belästigung und Diskriminierung. Dafür möchte ich mich in meinem Amt weiter einsetzen.
Silvia Gigante: Mich hat vor allem der Wunsch motiviert, Gleichstellung nicht nur theoretisch mitzudenken, sondern aktiv mitzugestalten. Für mich sollten Hochschulen Orte sein, an denen Vielfalt selbstverständlich gelebt wird und alle Menschen die gleichen Chancen haben, sich einzubringen und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig erleben wir im Hochschul- und Arbeitsalltag noch immer strukturelle Mechanismen oder Vorurteile, die insbesondere FLINTA-Personen benachteiligen können. Diese sichtbar zu machen und aktiv abzubauen, sehe ich als zentrale gesellschaftliche Aufgabe. Ich bin überzeugt davon, dass Gleichstellungsarbeit einen wesentlichen Beitrag dazu leistet, faire Rahmenbedingungen für alle zu schaffen.
Auch meine wissenschaftliche Arbeit hat meinen Blick auf diese Themen stark geprägt. Ich habe mich intensiv mit sexualisierter Gewalt, Paargewalt, Gender-Theorien und Fragen sozialer Gerechtigkeit beschäftigt. Dadurch wurde mir noch bewusster, wie vielfältig die Herausforderungen sein können, denen Menschen aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer Identität begegnen. Gleichzeitig habe ich ein tiefes Verständnis dafür entwickelt, wie wichtig gerechte und diskriminierungsfreie Strukturen sind.
Haben Sie eigene Fördererfahrungen oder konnten bereits persönlich von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren?
Anja Berger: Die äußeren Umstände in Form einer weltweiten Pandemie zur Zeit meiner Berufung führten am Ende ein wenig dazu, dass ich die Fördererfahrungen nicht in dem Maß nutzen konnte, wie sie zur Verfügung gestanden hätten. Aus der Erfahrung heraus glaube ich zu wissen, dass die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ruhig noch lauter und präsenter sein dürfen und vielleicht müssen, damit für alle absolut klar ist: Hier gibt es kompetente Anlaufstellen.
Sonja Niedecken: Ich hatte das große Glück, mit vielen verschiedenen Expert*innen zu Themen der Gleichstellung, Frauenförderung und Gendergerechtigkeit zusammenzuarbeiten; einige von ihnen waren Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Bei der GIZ, Plan International und Brot für die Welt habe ich aktiv an verschiedenen Projekten gearbeitet und dabei eine große Bandbreite an Gender- und Gleichstellungsthemen begleitet. Außerdem arbeite ich in meiner jetzigen Stelle sehr eng mit der hauptberuflichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Viola Philipp zusammen und hatte bereits die Möglichkeit, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten anderer Hochschulen in Berlin und deutschlandweit kennenzulernen. Ich kann daher aus einem großen Erfahrungsschatz schöpfen und lerne täglich Neues dazu.
Silvia Gigante: Persönlich habe ich bislang keine eigenen Fördermaßnahmen in Anspruch genommen. Durch meine Tätigkeit als Forschungsreferentin im Förderbereich erlebe ich jedoch sehr konkret, wie wichtig und wirkungsvoll gezielte Förderinstrumente und Gleichstellungsmaßnahmen sein können. Gerade für FLINTA-Personen in Wissenschaft und Verwaltung können Förderprogramme, Mentoring oder gezielte Gleichstellungsmaßnahmen einen großen Unterschied machen. Diese Einblicke haben mir noch einmal gezeigt, wie wichtig die Arbeit von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten innerhalb einer Institution ist.
Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erreichen? Gibt es (Gleichstellungs-)Ziele oder Aufgaben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Anja Berger: Besonders spannend empfinde ich die neueren Entwicklungen an der Hochschule in diesem Bereich, wie z.B. die Arbeit der Chancen- und Gleichstellungskommission sowie der Etablierung von Diversitäts- und Diskriminierungsbeauftragten – ebenfalls zentral und dezentral. Diese Initiativen zeigen, dass die Hochschule einen wichtigen Schritt in Richtung umfassender Gleichstellung und Diversität geht. Gleichzeitig gilt es herauszufinden, wie diese vielfältigen Strukturen bestmöglich von allen gesehen und genutzt werden können. Ich bin motiviert, die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gremien und Interessengruppen aktiv zu unterstützen und mitzugestalten.
Sonja Niedecken: Mein erstes Ziel ist es, am Hochschultag mit vielen Studierenden, Lehrenden und Beschäftigten der HWR ins Gespräch zu kommen und unsere Arbeit sowie unsere Angebote vorzustellen. Ich möchte, dass alle Mitglieder der HWR wissen, dass sie sich an uns wenden können, wenn sie Beratung, Unterstützung oder Informationen zu unseren Themen benötigen. Des Weiteren ist mir wichtig, dass in Zeiten von Einsparungen familienfreundliche Strukturen sowie die Förderung von Gleichstellung erhalten bleiben. Außerdem ist mir eine gute Zusammenarbeit mit den verschiedenen Gremien und Interessenvertretungen an der HWR wichtig, insbesondere mit der Koordinatorin und der Beauftragten für Diversität. Ein längerfristiges Ziel für die HWR ist die partizipative Entwicklung eines ganzheitlichen Schutzkonzepts gegen sexualisierte Diskriminierung, Belästigung und Gewalt. Ein weiteres langfristiges Ziel ist das Erreichen von Parität bei den Professuren an der HWR.
Silvia Gigante: Ich wünsche mir, dass Gleichstellung an der Hochschule nicht nur als formale Aufgabe verstanden wird, sondern als selbstverständlicher Bestandteil einer modernen und zukunftsorientierten Hochschulkultur. Mir ist besonders wichtig, FLINTA-Personen in ihrer beruflichen Entwicklung zu stärken und Gleichstellungsthemen weiterhin sichtbar zu machen, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Verwaltung. Dabei möchte ich unterschiedliche Lebensrealitäten mitdenken und verschiedene Gruppen innerhalb der Hochschule im Blick behalten, von wissenschaftlichen Mitarbeiter*innen über Professor*innen bis hin zu Mitarbeiter*innen in der Zentralverwaltung.
Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, ist die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und Care-Arbeit. Die Balance zwischen Beruf, Studium und Care Arbeit ist für viele Menschen eine große Herausforderung. Dabei geht es nicht nur um Kinderbetreuung, sondern allgemein um Care-Arbeit und die Frage, wie Arbeitsstrukturen gestaltet sein müssen, damit sie unterschiedlichen Lebensrealitäten gerecht werden.
Darüber hinaus möchte ich den Fokus stärker auf Sensibilisierung und Prävention legen. Gleichstellung bedeutet für mich nicht nur, auf bestehende Probleme zu reagieren, sondern auch langfristig ein Bewusstsein für Diversität, Diskriminierung und Chancengleichheit zu schaffen. Besonders wichtig ist mir eine offene und vertrauensvolle Gesprächskultur. Menschen sollten das Gefühl haben, gehört und ernst genommen zu werden. Niedrigschwellige Beratungsangebote, transparente Kommunikation und ein wertschätzender Austausch sind für mich zentrale Voraussetzungen dafür, dass Gleichstellungsarbeit nachhaltig wirken kann.
Seit dem 01. April 2024 ist Anika Kixmüller, Mitarbeiterin im Studienbüro 1 des Fachbereichs 1 für Lehrplanung, die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte des Fachbereichs 1. Ihre Stellvertretung übernimmt die Gastprofessorin für Management und Organisation Katharina Harsch. Beide wurden 2026 in diesen Positionen wiedergewählt
Kontakt: fb1_frauenbeauftragte(at)hwr-berlin.de
Was hat Sie dazu bewogen, sich auf das Amt der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten für den Fachbereich 1 zu bewerben?
Anika Kixmüller: Bevor ich mich 2021 das erste Mal für das Amt der stellvertretenden FGB beworben habe, waren meine Kenntnisse im Gleichstellungsbereich eher theoretisch und durch mein Studium der Politikwissenschaften geprägt. Ich hatte Lust, diese Kenntnisse in der Praxis anzuwenden und konnte während der ersten Amtszeit viel über die verschiedenen Abläufe, Gremien und Handlungsspielräume einer FGB lernen. Für mich war klar, dass ich dieses neue Wissen auch weiterhin nutzen möchte, um die Gleichstellung am FB 1 und an der HWR weiter voranzubringen. Deswegen freue mich sehr, dass ich nun das Amt der dezentralen FGB innehabe und mich weiterhin im Bereich Gleichstellung und Chancengleichheit engagieren kann.
Katharina Harsch: Die Themen Diversität, Gleichstellung und Inklusion (DEI) liegen mir besonders am Herzen, da ich fest daran glaube, dass sie die Grundlage für ein gerechteres und bereicherndes Miteinander bilden. Diversität bringt neue Perspektiven und fördert ein kontinuierliches Lernen und Wachstum in jeder Organisation. Gleichzeitig ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass strukturelle Benachteiligungen und unbewusste Vorurteile (Biases) dafür sorgen, dass manche Menschen es schwerer haben als andere. Es ist unsere gemeinsame Verantwortung, diesen Menschen besondere Unterstützung zu bieten, denn jede*r von uns ist gleichermaßen wertvoll.
In den vergangenen Jahren habe ich mich intensiv mit diesen Themen in unterschiedlichen Kontexten auseinandergesetzt und aktiv dafür eingesetzt. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Evaluation der Frauenquote für das BMFSFJ konnte ich wertvolle Erfahrungen sammeln, wie politische Maßnahmen konkret wirken. In meiner Rolle als Senior Behavioural Scientist habe ich zahlreiche DEI-Projekte und Frauenförderprogramme durch Coaching-Angebote begleitet und dabei die Wichtigkeit von gezielter Förderung und Unterstützung erlebt.
Ich habe mich auf das Amt der stellvertretenden Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten am Fachbereich 1 beworben, da ich aktiv dazu beitragen möchte, dass Gleichstellung und Inklusion in unserer Hochschule und darüber hinaus weiter vorangetrieben werden, damit jede*r die Möglichkeit hat, sich in voller Pracht zu zeigen und wertgeschätzt zu werden.
Haben Sie eigene Fördererfahrungen oder konnten bereits persönlich von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren?
Anika Kixmüller: Auf meinem bisherigen Weg habe ich noch keine Fördererfahrungen gemacht oder von der Arbeit einer FGB profitiert – ich freue mich aber natürlich, wenn andere Menschen von meiner Arbeit als FGB profitieren.
Katharina Harsch: Ich konnte definitiv persönlich von der Arbeit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der HWR profitieren. Das erste Mal kam ich mit der Arbeit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Juli 2023 in Berührung. Bei der Veranstaltung „Karriereweg: Professorin an einer HAW werden“ informierte die HWR gemeinsam mit BHT und HTW über 50 interessierte Frauen über Karrierewege und Chancen für eine Professur an einer Hochschule für angewandte Wissenschaften (HAW). Hier waren auch die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der HWR aktiv beteiligt. Die unterschiedlichen Lebenswege und Geschichten der Professorinnen haben mich so inspiriert und tatsächlich auch dazu bewogen die Augen nach offenen Positionen für Professuren an der HWR Ausschau zu halten. Als ich dann die ausgeschriebene Position für eine Gastprofessur für Management und Organisation gesehen habe, habe ich mich direkt an Frau Viola Philipp gewendet, hauptamtliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte. Schon im Juli hatten bei der Veranstaltung der HWR hatten wir uns unterhalten und sie hat sich dann nochmal die Zeit genommen mich über die HWR, die Stelle und den Auswahlprozess zu informieren. Und hier bin ich – seit dem Sommersemester 2024 bin ich Gastprofessorin für Management und Organisation am Fachbereich 1 der HWR Berlin und seit diesem Zeitpunkt auch stellvertretende Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte für den Fachbereich.
Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erreichen? Gibt es (Gleichstellungs-)Ziele oder Aufgaben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Anika Kixmüller: Ein Ziel, das wir gerade verfolgen, ist die Erhöhung der Sichtbarkeit des Amtes in allen Statusgruppen. Viele Hochschulangehörige, insbesondere in der Studierendenschaft, scheinen das Amt der FGB kaum bzw. gar nicht zu kennen. Das wollen wir ändern und klar kommunizieren, was wir machen und in welchen Bereichen wir die passenden Ansprechpartnerinnen sind.
Weitere Ziele sind natürlich u.a. auch die Förderung der Chancengleichheit und ein höheres Bewusstsein für Gleichstellungsthemen und -problematiken innerhalb der HWR Berlin.
Katharina Harsch: Mir ist es in einem ersten Schritt wichtig vor allem die Studierenden über das Thema Gleichstellung in Studium und Beruf sowie über die Arbeit der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zu informieren, sodass sie genau wissen, bei welchen Problemen sie sich an uns wenden können. Dazu sind wir mit der Hochschulkommunikation in Kontakt und planen im Moment einige Aktionen die wir teilweise auch schon umgesetzt haben, wie bspw. Die Gestaltung eines Schaukastens der über Missstände, Veranstaltungen, Forschungsergebnisse in diesem Bereich sowie über uns und unsere Arbeit informiert. Darüber hinaus sollen in Zukunft auch die sozialen Medien genutzt werden sowie Mailings - ihr könnt also gespannt sein.
Auch die Ideenliste für die nächsten Semester der Amtszeit ist lang und ich würde mich freuen, wenn wir es schaffen mehr Sichtbarkeit für Vorbilder, sogenannte Role Models zu schaffen sowie die Vernetzung unter den Studierenden weiter zu stärken.
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte am Fachbereich 2 ist Henriette Binder, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich 5. Sie ist seit dem 1. April 2024 im Amt und wurde 2026 wiedergewählt.
Kontakt: fb2_frauenbeauftragte(at)hwr-berlin.de
Was hat Sie dazu bewogen, sich auf das Amt der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten für den Fachbereich 2 zu bewerben?
Henriette Binder: Meine bisherigen Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wichtig es ist, Frauen zu fördern und eine chancengleiche Umgebung zu schaffen. Als Psychologin bringe ich Know-how mit, um effektiv zu unterstützen und kann mich dabei auf ein Netzwerk von engagierten zentral und dezentral aktiven Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten verlassen. Was mich zusätzlich antreibt, ist meine persönliche Reise: Als Mutter von drei Kindern weiß ich aus erster Hand, wie schwierig es sein kann, Beruf und Carearbeit zu vereinbaren. Diese Herausforderungen haben mein Engagement für Gleichstellung gestärkt, und ich möchte unsere Hochschule weiterhin dabei unterstützen, ein Ort der gleichen Chancen für alle zu sein.
Haben Sie eigene Fördererfahrungen oder konnten bereits persönlich von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren?
Henriette Binder: Absolut, ich habe selbst die positive Wirkung von Unterstützung und Förderung erlebt. Als Mutter und als jemand, der sich um pflegebedürftige Angehörige gekümmert hat, habe ich erlebt, wie wichtig Verständnis für alltägliche Herausforderungen sind. Besonders inspirierend war es für mich, von starken Frauen und Männern begleitet zu werden, die mir gezeigt haben, wie wichtig Solidarität und gegenseitige Hilfe sind. Als Mitglied des zentralen Frauen- und Gleichstellungsrates habe ich gesehen, welche Erfolge in der Frauen- und Gleichstellungsarbeit dank des Einsatzes engagierter Frauen möglich sind. Diese Erfahrungen haben mir nicht nur in meiner persönlichen Entwicklung geholfen, sondern mich auch dazu motiviert, selbst aktiv zu werden und anderen die gleiche Unterstützung zukommen zu lassen.
Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erreichen? Gibt es (Gleichstellungs-)Ziele oder Aufgaben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Henriette Binder: In meiner Amtszeit möchte ich besonders darauf hinwirken, dass unsere Hochschule ein Ort wird, an dem Chancengleichheit wirklich gelebt wird. Mir liegt es am Herzen, flexible Arbeits- und Studienbedingungen zu fördern, die es ermöglichen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, das Bewusstsein für die Bedeutung von Carearbeit zu stärken und Maßnahmen zu entwickeln, die diejenigen unterstützen, die diese wertvolle Arbeit leisten. Letztlich möchte ich dazu beitragen, dass Vielfalt an unserer Hochschule als Stärke gesehen und gefördert wird, sodass alle Mitglieder die gleichen Möglichkeiten haben, sich zu entfalten und erfolgreich zu sein.
Am Fachbereich 3 ist seit dem 1. April 2022 die wissenschaftliche Mitarbeiterin Maria Krautz als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte im Amt. Sie wurde 2026 wiedergewählt.
Kontakt: fb3_frauenbeauftragte(at)hwr-berlin.de
Was hat Sie dazu bewogen, sich auf das Amt der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten für den Fachbereich 3 zu bewerben?
Maria Krautz: In den letzten drei Jahren konnte ich verschiedene Auswahl- und Berufungsverfahren begleiten. Neben dieser Arbeit habe ich Weiterbildungsprogramme z.B. dem FUTURA Programm der FU besucht. Dadurch konnte ich Wissen erlangen, welches auch in der kommenden Amtsperiode dazu beitragen soll, bei Verfahren unterstützend mitzuwirken, die Perspektive der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten einzubringen und auch als Ansprechpartnerin für Konflikte im Bereich der Frauen- und Gleichstellung beratend zur Seite zu stehen.
Haben Sie eigene Fördererfahrungen oder konnten bereits persönlich von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren?
Maria Krautz: Durch den regelmäßigen Austausch im Frauenrat und im Plenum der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten konnte ich von dem Wissen der Kolleginnen profitieren.
Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erreichen? Gibt es (Gleichstellungs-)Ziele oder Aufgaben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Maria Krautz: Als Ansprechpartnerinnen für Betroffene und Hilfestellungsuchende und durch eine offene Sprechstunde möchte ich mit dem Fachbereich 3 in Kontakt treten. Das Amt der dezentralen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten im Fachbereich 3 soll dazu beitragen, dass Diversität, Chancengleichheit und Gleichstellung von Frauen und aller Geschlechteridentitäten im Hochschulalltag zur Normalität werden.
Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte am Fachbereich 4 ist seit dem 1. April 2024 Karola Knauthe, Professorin für Immobilienrecht. Sie wurde 2026 wiedergewählt. Als Stellvertreterin wurde Anke Schwolow, Mitarbeiterin für Lehrplanung und Dozentenbetreuung am Fachbereich, wiedergewählt.
Kontakt: fb4_frauenbeauftragte(at)hwr-berlin.de
Was hat Sie dazu bewogen, sich auf das Amt der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten für den Fachbereich 4 zu bewerben?
Karola Knauthe: Das Ziel der Gleichstellung ist trotz aller Bemühungen nach wie vor in weiten Teilen unserer Gesellschaft noch nicht erreicht. Dies sehe ich als eine Herausforderung, für die es sich einzusetzen lohnt. Deshalb möchte ich mich dafür gern als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte engagieren.
Haben Sie eigene Fördererfahrungen oder konnten bereits persönlich von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren?
Karola Knauthe: Ich selbst habe keine eigenen Fördererfahrungen machen oder von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren können. Es gab aber Situationen in meinem Leben, in denen ich mir eine solche Unterstützung gewünscht hätte.
Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erreichen? Gibt es (Gleichstellungs-)Ziele oder Aufgaben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Karola Knauthe: Ich möchte mich für die Gleichstellung während des Studiums und nach dem Studium einsetzen und Studierende darin unterstützen, positive Erfahrungen damit zu sammeln und sie selbst zu leben. Auch die Familienfreundlichkeit spielt in diesem Kontext eine große Rolle.
Seit dem 1. April 2026 ist Marisa Przyrembel, Professorin für Psychologie und Führungswissenschaft, als neue Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte am Fachbereich 5 im Amt. Als Stellvertreterin ist Susann Raddatz aktiv, Lehrbeauftragte für das Vertiefungsmodul II „Interkulturelle Führung – Diversity Management“ am Fachbereich 5.
Kontakt: fb5_frauenbeauftragte(at)hwr-berlin.de
Seit dem 1. April 2026 ist Naomi Noba, Studentin des Fachbereich 1 als neue Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte an der BPS im Amt. Als Stellvertreterin ist Jarilena Hennig aktiv, sie ist ebenfalls Studentin des Fachbereich 1.
Kontakt: bps-frauenbeauftragte(at)hwr-berlin.de
Was hat Sie dazu bewogen, sich auf das Amt der (stellvertretenden) Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten zu bewerben?
Naomi Noba: Gleichstellungsthemen haben mich durch mein Studium aber auch im außeruniversitären Alltag schon immer begleitet. Im beruflichen Kontext bin ich immer wieder mit strukturellen Benachteiligungen in Berührung gekommen. Was mich dabei im Bachelor besonders beschäftigt hat, war die aus meiner Wahrnehmung geringe Sichtbarkeit von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten. All das hat mich motiviert, selbst aktiv zu werden.
Jarilena Hennig: Für mich war das Interesse an Gleichstellungsthemen nie nur theoretisch, sondern immer auch sehr persönlich motiviert. In meinem Studium im Bereich Wirtschaft, Soziologie und IT, aber auch darüber hinaus habe ich mich viel mit Fragen rund um Chancengleichheit, strukturelle Ungleichheiten und wie dies jeden von uns auf diverse Art begleitet beschäftigt. Dabei wurde mir immer klarer, wie relevant diese Themen gerade heute sind und wie sehr sie unseren Alltag und unsere Zukunft prägen.
Die Bewerbung auf das Amt war für mich deshalb ein bewusster Schritt, dieses Interesse nicht nur im Studium zu verfolgen, sondern aktiv in die Hochschule hineinzutragen und mitzugestalten. Ich finde es besonders spannend, Gleichstellung nicht nur als abstraktes Ziel zu sehen, sondern ganz konkret im Hochschulalltag zu verankern und besonders für uns Studierende zugänglich zu machen. Seit April 2026 im Amt zu sein, gibt mir die Möglichkeit, genau das zu tun, eure Ansprechpartnerin zu sein und gleichzeitig selbst viel dazuzulernen.
Haben Sie eigene Fördererfahrungen oder konnten bereits persönlich von der Arbeit einer Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten profitieren?
Jarilena Hennig: Direkt im Sinne klassischer Förderprogramme habe ich bisher weniger Erfahrungen gemacht, aber ich habe immer wieder gemerkt, wie wichtig sichtbare Ansprechpersonen und unterstützende Strukturen sind. Gerade im Studium oder in Übergangsphasen können schon kleine Impulse, wie z.B. Gespräche, Hinweise oder auch einfach das Gefühl, dass bestimmte Themen ernst genommen werden, einen großen Unterschied machen.
Diese indirekten Erfahrungen haben mir gezeigt, wie wertvoll die Arbeit von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten ist. Sie schaffen Räume, in denen Fragen gestellt werden können, und tragen dazu bei, dass Gleichstellung nicht nur ein Schlagwort bleibt. Genau das motiviert mich, diese Rolle nun selbst auszufüllen und für andere Studierende zugänglich zu machen.
Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit als Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte erreichen? Gibt es (Gleichstellungs-)Ziele oder Aufgaben, die Ihnen besonders wichtig sind?
Naomi Noba: Vor allem möchte ich Sichtbarkeit schaffen und das Thema Intersektionalität stärker in den Fokus rücken. Dabei geht es mir darum, deutlich zu machen, wie verschiedene Diskriminierungsmechanismen, etwa aufgrund von Geschlecht, Herkunft oder Behinderung, gleichzeitig wirken und sich gegenseitig verstärken können. Um das umzusetzen, soll Vernetzung ein zentraler Bestandteil meiner Arbeit werden, unter anderem mit der Antidiskriminierungsstelle, dem AStA, der Schwerbehindertenvertretung der HWR und natürlich vor allem mit den Studierenden selbst.
Jarilena Hennig: Ein zentrales Anliegen für mich ist es, die Sichtbarkeit von Gleichstellungsthemen und damit auch die Rolle der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten selbst, insbesondere unter Studierenden, zu erhöhen. Oft ist gar nicht bekannt, an wen man sich wenden kann oder welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt. Hier möchte ich dazu beitragen, mehr Transparenz und niedrigschwellige Zugänge zu schaffen.
Darüber hinaus ist es mir wichtig, Gleichstellung interdisziplinär zu denken und auch aktuelle Entwicklungen einzubeziehen, wie zum Beispiel welche neuen Herausforderungen durch soziale Medien und die voranschreitende Digitalisierung mitgedacht und einbezogen werden sollten. Ich sehe hier großes Potenzial, diese Perspektiven stärker in den Hochschulkontext einzubringen.
Nicht zuletzt liegt mir auch die Förderung von Austausch und Vernetzung am Herzen.
Ich wünsche mir, dass Studierende sich gegenseitig stärken, voneinander lernen und mehr “Role Models” sichtbar werden. Wenn es gelingt, Gleichstellung als gemeinsames Thema im Hochschulalltag zu verankern und nicht nur als Einzelinitiative, dann wäre das für mich ein großer Erfolg innerhalb meiner Amtszeit.