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Gute Lehre braucht Wissenschaft und Praxis

800 nebenberufliche Lehrende hat die HWR Berlin. Im Dialog zwischen Vertreter*innen der Lehrbeauftragten und Präsident Jens Hermsdorf ging es um ihre Rolle und Kürzungen im Berliner Hochschulhaushalt.

20.07.2026

Vertreter*innen der rund 800 Lehrbeauftragten der HWR Berlin im Austausch mit Präsident Prof. Dr. Jens Hermsdorf.
Vertreter*innen der rund 800 Lehrbeauftragten der HWR Berlin im Austausch mit Präsident Prof. Dr. Jens Hermsdorf. Foto: Sylke Schumann

Nebenberufliche Dozent*innen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Lehre an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin). Gemeinsam mit den Professorinnen und Professoren schaffen sie die Verbindung von wissenschaftlicher Fundierung und beruflicher Praxis, die die Hochschulen für angewandte Wissenschaften auszeichnet.

Andreas Gäbler, Vertreter der rund 800 Lehrbeauftragten der HWR Berlin im Akademischen Senat, hatte am 15. Juli 2026 zum Austausch mit Präsident Prof. Dr. Jens Hermsdorf eingeladen und moderierte die Gesprächsrunde. Im Mittelpunkt standen die Bedeutung der Lehrbeauftragen für die Lehre und die Folgen der Sparvorgaben des Landes Berlin haben.

„Professorinnen und Professoren und Lehrbeauftragte übernehmen unterschiedliche Aufgaben in der Lehre und ergänzen sich dabei ideal. So werden wissenschaftliche Qualität und die Weiterentwicklung der Studiengänge gesichert, während zugleich aktuelles Praxiswissen, neue Perspektiven und Erfahrungen aus dem Berufsalltag in die Lehre einfließen. Davon profitieren unsere Studierenden in besonderem Maße“, sagt HWR-Präsident Prof. Dr. Jens Hermsdorf.

Praxis stärkt die Lehre

Mit ihren Impulsen aus Wirtschaft, Verwaltung, Recht und Gesellschaft bringen Lehrbeauftragte aktuelle Entwicklungen aus Unternehmen, Verwaltungen, Gerichten oder anderen Praxisfeldern direkt in den Hörsaal und Seminarraum. Professorinnen und Professoren ordnen diese Erfahrungen wissenschaftlich ein, verknüpfen sie mit Forschungsergebnissen und entwickeln Studieninhalte und Curricula weiter. So entsteht ein kompetenzorientiertes Studienangebot, bei dem wissenschaftliche Grundlagen und praktische Anwendung eng miteinander verzahnt sind.

Im Dialog über die Zukunft der Lehre

Auf Initiative von Andreas Gäbler kamen Lehrbeauftragte mit dem Präsidenten der HWR Berlin, Prof. Dr. Jens Hermsdorf, ins Gespräch. Auf der Agenda standen Anliegen der nebenberuflichen Dozentinnen und Dozenten, die Gäbler zuvor gesammelt hatte und in die Diskussion einbrachte.

Herausforderungen durch Hochschulfinanzierung

Ein Schwerpunkt der im Vorfeld eingereichten Fragen betraf die Auswirkungen der gekürzten Hochschulfinanzierung auf Studium und Lehre. Jens Hermsdorf erläuterte, dass die Kürzungen des Landes Berlin die Hochschule dazu zwingen, ihre Studienkapazitäten in den kommenden Jahren an das verfügbare Budget anzupassen. Perspektivisch werden insgesamt rund 1.000 Studienplätze entfallen müssen. Gleichzeitig sind alle Studiengänge der HWR Berlin ausgelastet. Welche Konsequenzen das auf Lehraufträge haben wird, hänge von den jeweiligen Fachgebieten sowie der Struktur und Besetzung der Professuren ab. Auch einzelne Module, die nicht als Wahlpflichtfächer angeboten werden, würden überprüft.

„Die finanzielle Situation der Berliner Hochschulen ist herausfordernd und aus unserer Sicht strategisch schwierig für das Land Berlin. Jeder Studienplatz, der an einer staatlichen Hochschule wegfällt, nimmt jungen Menschen unter Umständen die Chance auf ein Studium. Sie gestalten jedoch die gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunft. Umso wichtiger ist es, die hohe Qualität unserer Lehre gemeinsam mit unseren Lehrbeauftragten zu sichern“, sagt Hermsdorf.

Rechtliche Entwicklungen im Blick

Weitere Fragen der Lehrbeauftragten betrafen aktuelle rechtliche Entwicklungen. Diskutiert wurden die Auswirkungen der BerlHG-Novelle, mit der die Rechtsstellung von Lehrbeauftragten neu geregelt werden soll, und die Folgen des Herrenberg-Urteils auf die Abgrenzung zwischen freier Mitarbeit und sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung.

Lehre braucht beides

Lehrbeauftragte stärken den Wissenstransfer zwischen Hochschule und Arbeitswelt. Gemeinsam mit den hauptberuflichen Hochschullehrer*innen schaffen sie die enge Verzahnung von Theorie und Praxis. Das Treffen machte deutlich: Gute Lehre lebt vom Zusammenspiel von Lehrbeauftragten und Professor*innen sowie vom kontinuierlichen Dialog über ihre gemeinsame Verantwortung für deren Weiterentwicklung.