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Engagement für Chancengerechtigkeit

Selen Soysal wurde vom Akademischen Senat zur Beauftragten für Diversität und Antidiskriminierung an der HWR Berlin gewählt. Im Interview spricht sie über ihre Motivation und Ideen für das Amt.

23.02.2026

Portrait Selen Soysal in auberginefarbenen Hijab
Foto: Anna Mándoki

Selen Soysal promoviert im Rahmen einer kooperativen Promotion an der HWR Berlin und der FU Berlin zum Thema „Psychologische Täterprofile im Kontext der Hasskriminalität". In ihrer wissenschaftlichen Arbeit analysiert sie systematisch Täterprofile, psychologische Risikofaktoren und ideologische Radikalisierungsverläufe, die zu Hassgewalt führen können.

Ihre akademische Laufbahn begann mit einem Bachelorstudium der Angewandten Psychologie in Stuttgart, gefolgt von einem Masterstudium der Psychologie mit Schwerpunkt Rechtspsychologie an der Medical School Berlin. Begleitend dazu war sie in der Forensisch-Therapeutischen Ambulanz der Charité im Rahmen eines Forschungsprojekts zu kognitiven Verzerrungen tätig.

Neben ihrer Forschung engagiert sich Selen Soysal seit mehreren Jahren beim Berliner Zentrum für Gewaltprävention als Trainerin für soziale Kompetenz und Betrugsdelikte in Justizvollzugsanstalten.

Was motiviert Sie für dieses Amt?

Selen Soysal: Diversität ist für mich nicht nur ein institutionelles Thema, sondern auch ein persönliches Anliegen. Durch meinen eigenen Migrationshintergrund habe ich früh erfahren, wie Zugehörigkeit, Anerkennung und strukturelle Barrieren das Bildungs- und Berufsleben prägen können. Diese biografische Perspektive hat mein Bewusstsein für Ungleichheiten geschärft und mein Engagement für Chancengerechtigkeit nachhaltig geprägt.

Besonders am Herzen liegt mir die Sensibilisierung für Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.

Selen Soysal, Zentrale Beauftragte für Diversität und Antidiskriminierung an der HWR Berlin

Gibt es Bereiche oder Aufgaben, die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Selen Soysal: Besonders am Herzen liegt mir die Sensibilisierung für Rassismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, da diskriminierende Dynamiken häufig subtil wirken und dennoch nachhaltige Auswirkungen auf Betroffene haben können. Darüber hinaus ist mir die Stärkung marginalisierter Gruppen durch Empowerment ein zentrales Anliegen. Menschen sollen nicht nur vor Diskriminierung geschützt, sondern auch in ihrer Selbstwirksamkeit, Sichtbarkeit und Teilhabe gestärkt werden.
 

Gibt es Projekte, die Sie verwirklichen möchten?

Selen Soysal: Ich möchte vor allem Workshops zur Rassismus Sensibilität für Lehrende und Studierende anbieten sowie Safe Spaces und Empowerment-Formate für Betroffene von Diskriminierung stärken. Ergänzend dazu sind mir Austauschformate wichtig, die Perspektivenvielfalt sichtbar machen und den Dialog innerhalb der Institution fördern. 

Welche Erfahrungen bringen Sie mit?

Selen Soysal: Ich verbinde wissenschaftliche Expertise mit praktischer Erfahrung. Durch meine Promotion im Bereich Hasskriminalität und Ideologie verfüge ich über fundierte Kenntnisse zu Radikalisierungs- und Diskriminierungsprozessen. Im Bereich Empowerment und Antirassismus bringe ich sowohl Ausbildung als auch praktische Arbeit mit marginalisierten Gruppen mit.

Wissen Sie bereits, welches Thema Sie als Erstes angehen möchten?

Selen Soysal: Zu Beginn würde ich mir zunächst einen umfassenden Überblick über die bestehenden Strukturen und bereits gut funktionierenden Angebote verschaffen. Dabei möchte ich prüfen, wo mögliche Versorgungslücken bestehen, wie sichtbar und zugänglich die aktuellen Beratungsangebote sind und welche konkreten Bedarfe Studierende sowie Mitarbeitende äußern. Auf dieser Grundlage würde ich perspektivisch den Beratungsbereich bei Diskriminierung weiter ausbauen, um Betroffenen niedrigschwellige, vertrauensvolle und klar strukturierte Unterstützung zu ermöglichen. Transparente Verfahren, der konsequente Schutz der Betroffenen und institutionelle Verbindlichkeit stehen für mich dabei im Mittelpunkt.

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