Erinnerung und Verantwortung im Bayerischen Viertel
Eine Tour durch das Bayerische Viertel zeigte anhand von Erinnerungsorten und Biografien ehemaliger Nachbarinnen und Nachbarn die Geschichte jüdischen Lebens und dessen Zerstörung während der NS-Zeit.

Am 22. Mai 2026 führte die Stadtführerin Nirit Ben Joseph durch das Bayerische Viertel in Berlin-Schöneberg. Startpunkt war der U-Bahnhof Bayerischer Platz.
Im Mittelpunkt stand das Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart im Stadtteil. Anhand der „Orte des Erinnerns“, der im Viertel verankerten Geschichts-Ausstellung im öffentlichen Raum sowie ausgewählter Biografien ehemaliger Nachbarinnen und Nachbarn machte Nirit Ben Joseph die Geschichte des Viertels nachvollziehbar. Dabei wurde deutlich, wie sich Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung im Alltag des Viertels vollzogen und gewachsene Nachbarschaften zerstört wurden.
Die Führung stellte verschiedene persönliche Lebensgeschichten in den Mittelpunkt, darunter Gertrud Kolmar, Albert Einstein, Salomon Haberland und Erich Fromm. Diese Biografien machten sichtbar, wer hier einmal gewohnt, gearbeitet und Teil des alltäglichen Miteinanders war, bevor die nationalsozialistische Verfolgung diese Nachbarschaften auseinandergerissen hat.

Foto: Axel Metzler
Die „Orte des Erinnerns“ im Bayerischen Viertel, ein 1993 eingeweihtes Flächendenkmal, bilden dabei einen zentralen Bezugspunkt. Sie erinnern an die schrittweise Entrechtung und Vertreibung jüdischer Bürgerinnen und Bürger zwischen 1933 und 1945 und verankern diese Geschichte sichtbar im heutigen Stadtbild.
Die Veranstaltung diente der historischen Sensibilisierung für Antisemitismus, jüdische Geschichte und die Verfolgung im Nationalsozialismus. Sie machte zugleich deutlich, dass Nachbarschaft auch Verantwortung bedeutet und dass Erinnerung dort beginnt, wo Menschen heute leben, arbeiten und sich begegnen.
Die Veranstaltung wurde durch den Antisemitismusbeauftragten der HWR Berlin Carl Melchers organisiert.
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