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HWR Berlin zu Gast beim polizeilichen Ethikzentrum

Lehrende besuchten das Zentrum für Berufsethik und Reflexion der Polizei Berlin und entdeckten neue Impulse für die polizeibezogene Lehre.

26.06.2026 — Prof. Dr. Janine Neuhaus

Sechs Personen stehen in einem Raum mit rotem Teppich vor einer Wand mit zwei großen Plakaten, eine Person hält ein Blatt Papier in der Hand
Foto: Prof. Dr. Marisa Przymbel

Wie gehen Polizeibeschäftigte mit den ethischen Herausforderungen und besonderen Belastungen ihres Berufs um? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Zentrum für Berufsethik und Reflexion (ZER) der Polizei Berlin. Am 19. Juni 2026 besuchte eine Gruppe Lehrender und Mitarbeitender des Fachbereichs Polizei und Sicherheitsmanagement der HWR Berlin das ZER, um dessen Konzept und Arbeitsweise kennenzulernen. Am rund vierstündigen Programm, mit Einführung, moderierter Ausstellung und abschließendem Austausch, nahmen Josephin Kleemann, Frederic Lenz, Sven Lüders, Janine Neuhaus, Marisa Przyrembel und Caterina Rohde-Abuba teil. Sabine Kerl (Fachgruppenleiterin des ZER) und Benjamin Rüdiger (Moderator im ZER) führten durch das Programm.

Ein Ort für Reflexion und Begegnung

Das ZER versteht sich als Lern- und Begegnungsort für alle Dienstkräfte der Polizei Berlin. Im Mittelpunkt stehen ethische Fragestellungen, besondere Belastungen des Polizeialltags sowie die Förderung von Selbstreflexion und Austausch. Die Ausstellung gliedert sich in vier Themenräume: „Mensch sein", „Gewalt", „Extremsituationen" sowie „Tod und Sterben".

Kein erhobener Zeigefinger – sondern Raum zum Nachdenken

Die Teilnehmenden erlebten den Besuch als intensiv und zugleich eindrücklich. Die Ausstellung belehrt nicht und bewertet nicht, sie eröffnet Raum für die bewusste Auseinandersetzung mit den vielfältigen und anspruchsvollen Erfahrungen im Polizeiberuf. Schwierige und kritische Themen klammert sie dabei nicht aus. Neben belastenden Einsatzsituationen und dem Umgang mit der Bevölkerung greift sie auch Fragen des Miteinanders innerhalb der Organisation auf – etwa zu sexueller Gewalt und Sexismus oder dem Beobachten problematischen Verhaltens unter Kolleginnen und Kollegen.

Multisensorisches Erleben mit sensiblem Moderationsteam

Besonders positiv hervorgehoben wurde in der gemeinsamen Abschlussbesprechung die abwechslungsreiche Gestaltung der Ausstellung. Durch die Verbindung verschiedener medialer Elemente werden Situationen über mehrere Sinne erfahrbar: Hören, Sehen und Fühlen ergänzen sich zu einem eindrucksvollen Gesamterlebnis. Das Moderationsteam begleitet die Besuchenden dabei mit großer Sensibilität. Fragen, persönliche Betroffenheit und das Bedürfnis nach Zeit oder Stille finden ihren Raum.

Wertvolle Impulse für Lehre und Studium

Für die Teilnehmenden aus der HWR Berlin war zudem der Perspektivwechsel besonders interessant: Einerseits stellte sich immer wieder die Frage, wie Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte die einzelnen Räume und Themen wahrnehmen. Andererseits regte die Ausstellung auch zur persönlichen Reflexion an und warf Fragen auf, die unabhängig von der eigenen beruflichen Rolle als Mensch berühren. Aus Sicht der Gruppe stellt das ZER eine wertvolle Ergänzung für die polizeibezogene Lehre dar. Viele der aufgegriffenen Themen knüpfen unmittelbar an Inhalte des Polizeistudiums an, ermöglichen jedoch eine Form des Erlebens und der Reflexion, die im klassischen Unterricht nur schwer zu erreichen ist. Darüber hinaus kann ein Besuch auch für Kolleginnen und Kollegen der HWR Berlin bereichernd sein und Impulse für die eigene Lehre geben.

Der Besuch machte deutlich: Berufsethische Reflexion ist kein abstraktes Thema, sondern ein zentraler Bestandteil professionellen Handelns – und damit auch ein wichtiges Element der Aus- und Fortbildung von Polizeibeschäftigten.