Neuigkeit | Lehre

Prof. Dr. Roland M. Müller

"Gute Lehre heißt für mich, Studierende vom passiven Zuhören ins aktive, kritische Denken und Handeln zu bringen."

16.06.2026

Prof. Dr. Roland M. Müller, Foto: privat

Prof. Dr. Roland Müller und Sebastian Hüttemann vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften wurden für das Text, Web and Social Media Analytics Lab mit dem HWR Lehrpreis 2026 ausgezeichnet. Das Lehrkonzept verknüpft Datenanalyse, Künstliche Intelligenz und digitale Methoden mit unmittelbarer praktischer Anwendung.

Prof. Dr. Roland Müller im Interview:

Was hat Sie ursprünglich dazu gebracht, Lehrender zu werden? Gab es einen Moment oder eine Person, die Sie inspiriert hat? 


In der Schule und an der Universität gab es für mich einige inspirierende Vorbilder. Besonders prägend war ein Moment im Mathematik-Leistungskurs: Unser Lehrer schrieb einen langen Beweis an die Tafel. Als bereits die zweite Tafel vollgeschrieben war, fragte ich, ob das, was wir beweisen wollten, nicht schon in einer der Annahmen enthalten sei. Er sagte nur: „Genau!“ und wischte beide Tafeln wieder ab. Diese Ermutigung zum kritischen Hinterfragen und zum selbstständigen Denken ist mir bis heute wichtig und prägt auch meine Lehre.

Was bedeutet Ihnen der HWR-Lehrpreis persönlich? 

Im Gegensatz zu Veröffentlichungen ist die Qualität der Lehre von außen oft nur schwer sichtbar. Deshalb bedeutet mir diese Anerkennung sehr viel. Sie würdigt die Arbeit und das persönliche Engagement, die in guter Lehre stecken.

Gute Lehre heißt für mich, Studierende vom passiven Zuhören ins aktive, kritische Denken und Handeln zu bringen.

Prof. Dr. Roland M. Müller

Welche Lehrmethode oder welches Format hat sich bei Ihren Studierenden am meisten bewährt und warum? 

Besonders bewährt hat sich die enge Verzahnung von kurzen theoretischen Impulsen, unmittelbarer praktischer Anwendung und semesterbegleitender Projektarbeit. Das Projekt gibt den theoretischen Inhalten einen konkreten Anlass und macht ihre Relevanz erfahrbar. Zur Wiederholung und Verknüpfung der Inhalte wurde zu Beginn jeder Sitzung außerdem ein kollaboratives Mindmapping durchgeführt.

Wie gehen Sie mit heterogenen Lerngruppen um, z. B. unterschiedliche Vorkenntnisse oder Motivationslagen? 


Aufgaben wurden so gestaltet, dass sowohl grundlegende als auch vertiefende Bearbeitungen möglich sind. Ergänzende Materialien und optionale Vertiefungen ermöglichen individuelle Schwerpunktsetzungen. Übungsaufgaben werden während des Unterrichts gezielt im Pair-Programming-Format bearbeitet. Dadurch lernen Studierende voneinander, diskutieren Lösungswege und strukturieren Probleme gemeinsam. Das senkt Einstiegshürden und fördert kooperatives Lernen.

Was wünschen Sie sich, was Studierende aus Ihrem Kurs mitnehmen – fachlich und persönlich? 


Fachlich sollen Studierende die neuesten KI-Methoden als gestaltbare Werkzeuge zur Lösung realer Probleme verstehen. Dazu gehört, dass sie nachvollziehen können, was in der „KI-Blackbox“ theoretisch passiert, und dieses Verständnis auf konkrete Anwendungsszenarien übertragen. Der Einsatz realer Datensätze, aktueller KI-Frameworks und praxisnaher Problemstellungen schafft zudem eine direkte berufliche Anschlussfähigkeit.

Persönlich wünsche ich mir, dass meine Studierenden ein Growth Mindset entwickeln: Auch wenn ein Projekt am Anfang schwierig erscheint und die Vorkenntnisse unterschiedlich sind, können sie durch konsequente Arbeit, Ausdauer und kreative Herangehensweisen praktisch alles lernen und erreichen.

Gibt es einen Moment aus dem Unterricht, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist? 

Ein Team hatte im Projektverlauf größere Schwierigkeiten. Am Ende gelang es den Studierenden dennoch, trotz aller Widrigkeiten ein sehr schönes Ergebnis zu erzielen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Stolz in den Gesichtern der Teammitglieder während der Projektpräsentation.

Für mich heißt Lehren immer auch Lernen. Der Austausch ist für mich sehr bereichernd.

Prof. Dr. Roland M. Müller

Wie beschreiben/sehen Ihre Studierenden Sie, was glauben Sie? 

Ich glaube, dass meine Studierenden meine Begeisterung für das Thema spüren. Wahrscheinlich erleben sie mich als fordernd, aber auch als jemanden, der ihnen zutraut, anspruchsvolle Inhalte zu bewältigen, und sie auf diesem Weg intensiv unterstützt.

Haben Sie in den letzten Jahren etwas in Ihrer Lehre grundlegend verändert? Was hat den Anstoß gegeben? 

Die Pandemie hat mir noch einmal deutlich vor Augen geführt, wie wichtig persönlicher Austausch für das Lernen ist. Lernen funktioniert besser, wenn wir gemeinsam in einem realen Raum arbeiten, Fragen stellen, diskutieren und direkt aufeinander reagieren können.

Wie integrieren Sie aktuelle Entwicklungen in Ihre Veranstaltungen?  

In der Wirtschaftsinformatik ist die kontinuierliche Aktualisierung von Lehrveranstaltungen aufgrund technischer Entwicklungen schon immer zentral gewesen. In den letzten Jahren konnte ich insbesondere die theoretischen Grundlagen und praktischen Anwendungsmöglichkeiten neuester KI-Methoden wie Deep Learning und Generativer KI in meine Veranstaltungen integrieren.

Was lernen Sie selbst noch von Ihren Studierenden? 

Für mich heißt Lehren immer auch Lernen. Studierende bringen spannende Fallbeispiele aus ihrer Berufspraxis ein, stellen unerwartete Fragen und entwickeln eigene Ideen für die kreative Anwendung von Technologien. Dieser Austausch ist für mich sehr bereichernd.