Prof. Dr. Sebastian Fischer
"Ich habe mein Rollenverständnis verändert: vom Vortragenden zum Coach."

Prof. Dr. Sebastian Fischer (Fachbereich Duales Studium Wirtschaft · Technik) wurde für die Lehrveranstaltung Business Intelligence im dualen Bachelorstudiengang Wirtschaftsinformatik ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stehen projektbasiertes Lernen, Teamarbeit und die Entwicklung vollständiger Business-Intelligence-Lösungen.
Wie würden Sie Ihre Lehrphilosophie in einem Satz beschreiben?
Ich halte keine klassischen Vorlesungen, sondern gebe einen Rahmen vor, in dem sich die Teilnehmenden neue Konzepte und theoretisches Wissen erarbeiten. Anschließend wenden sie es in eigenen Projekten selbst an, wobei ich sie begleite. Mir geht es nicht darum, möglichst viele Inhalte zu vermitteln, sondern die tragenden Konzepte so zu vertiefen, dass sie als Fähigkeiten verankert bleiben und in den Praxispartnerfirmen tatsächlich ankommen. Am Ende des Semesters ist es mir lieber, wenn drei zentrale Konzepte hängen bleiben, als dass dreißig Folien vergessen werden.
Wie gehen Sie mit heterogenen Lerngruppen um?
In meinen Kursen sitzen dual Studierende, die nach mehreren Praxisphasen mit sehr unterschiedlichen Vorkenntnissen zu mir kommen. Die Spanne reicht von „noch nie eine Datenbankabfrage geschrieben“ bis „arbeitet seit zwei Jahren mit SAP BI oder Databricks“. Anstatt auf mittlerem Niveau zu unterrichten, stelle ich das Erschaffen eigener Artefakte (z. B. Softwareprototypen) in den Vordergrund. Dazu lassen wir Studierende in Gruppen eigene Projekte auf einem offenen Datensatz definieren. So findet jede Person ihren individuellen Anspruch. Das funktioniert jedoch nicht immer. Manche setzen sich zu niedrige Ziele und dann muss ich nachsteuern. Damit das Ganze in der Breite nicht beliebig wird, kommt ein Multiple-Choice-Test über die Theorie hinzu. Dieser sorgt dafür, dass die Spitze sichtbar bleibt und eine Eins ihre Berechtigung behält.

Foto: Manfred H. Vogel
Haben Sie in den letzten Jahren etwas in Ihrer Lehre grundlegend verändert? Was hat den Anstoß gegeben?
Ich habe mein Rollenverständnis verändert: vom Vortragenden zum Coach. Den Anstoß dazu gaben didaktische Ansätze, die ich als Studierender in den USA kennenlernen durfte. Dort tragen Studierende viel eigene Verantwortung und die Lehrenden setzen eher einen Rahmen, anstatt möglichst viele Inhalte zu vermitteln. Das war eine ganz andere Erfahrung als in meinem eigenen Studium in Deutschland. Theoretisch sauber aufgesetzt habe ich das später im Berliner Zertifikat für Hochschullehre.
Was lernen Sie selbst noch von Ihren Studierenden?
Vor allem aktuelle Werkzeuge. Gerade kommen moderne, analyseorientierte Datenmanagement-Konzepte in der Praxis an, etwa Data-Lakehouse-Architekturen, und da steckt so viel Detail drin, das ich in meiner eigenen Berufspraxis vor dem Wechsel an die Hochschule in dieser Reife noch nicht erlebt habe. Vieles davon steht inzwischen im Kursmaterial. Mein Foliensatz hält ungefähr ein Semester, dann ist ein Teil davon überholt. Geholfen hat mir dabei auch, dass ich den Kurs zusammen mit Moritz Hammes unterrichte. Er war selbst mal mein Student, macht jetzt seinen Master und übernimmt das Tutorial.