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Wo aus Begegnungen Kooperationen werden

Am zweiten Tag der Transferale 2026 trafen im SIB der HWR Berlin Wissenschaft, Wirtschaft, Transfer und Gründungsförderung aufeinander. Drei Formate zeigten Wege in die Zusammenarbeit.

08.07.2026 — Leo Fenster

Foto: Alexander Rentsch

Kontakte knüpfen, Erfahrungen teilen und Möglichkeiten für gemeinsame Projekte ausloten: Dafür brachte der Transferale-Dienstag Menschen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Gründung und Wissenstransfer zusammen. Der Ort war bewusst gewählt. Der Startup Incubator Berlin (SIB), das Gründungszentrum der HWR Berlin, hat seinen Sitz im Cambridge Innovation Center (CIC) Berlin. In dessen international geprägtem Innovationsökosystem arbeiten Start-ups, Unternehmen und weitere Innovationsakteur*innen unter einem Dach – ein passender Ort, um neue Begegnungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu ermöglichen.

„Genau solche Begegnungen brauchen wir, damit aus guten Ideen konkrete Kooperationen entstehen. Es war beeindruckend zu erleben, wie offen Unternehmen, Wissenschaft und Gründungsszene miteinander ins Gespräch gekommen sind“, sagt Prof. Dr. Sabine Baumann, Vizepräsidentin für Internationales, Forschung und Transfer der HWR Berlin.

Der Tag war Teil eines Experiments: Die zweite Transferale verteilte sich auf fünf Tage, fünf Orte und fünf thematische Schwerpunkte. Statt alle Zielgruppen an einen zentralen Festivalort einzuladen, ging das Festival dorthin, wo unterschiedliche Teile der Berliner Stadtgesellschaft arbeiten, forschen, wirtschaften und leben. Am Dienstag stand die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft im Mittelpunkt.

Vom ersten Kontakt zur gemeinsamen Idee

Wie vielfältig die Wege in eine Kooperation sein können, zeigte „Meet. Match. Make Impact.“. Im Zentrum stand das direkte Gespräch: In moderierten Begegnungsräumen tauschten sich Vertreter*innen aus Hochschulen und Unternehmen über Forschungskooperationen, Fachkräftegewinnung und weitere Formen der Zusammenarbeit aus.

Den Auftakt gab Prof. Dr. Stefanie Molthagen-Schnöring mit einem Impuls zur „Netzwerkarbeit mit Vergnügen“. Denn Kooperation beginnt selten mit einem fertigen Projektplan. Häufig beginnt sie mit der richtigen Begegnung, einer gemeinsamen Frage oder der Entdeckung, dass unterschiedliche Perspektiven zusammenpassen.

Dafür schufen die Begegnungsräume einen Rahmen. Unternehmen brachten ihre Herausforderungen und Bedarfe ein, Wissenschaftler*innen ihre Perspektiven und Kompetenzen. Moderiert von Markus Streichardt (HTW Berlin) und Larissa Scheu (IHK Berlin) ging es darum, Gemeinsamkeiten zu entdecken und mögliche nächste Schritte auszuloten.

Das Format entstand in Zusammenarbeit der HWR Berlin und der HTW Berlin mit dem Bündnis Klimaschutzpartner Berlin. Dessen Netzwerk aus Berliner Wirtschaftsverbänden trug dazu bei, Unternehmen und Hochschulen ins Gespräch zu bringen. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen können solche Zugänge entscheidend sein: Wo Zeit und Personal für eigene Forschungs- und Entwicklungsprozesse fehlen, können Hochschulen wissenschaftliche Expertise, neue Perspektiven und Raum für die gemeinsame Entwicklung von Lösungen bieten.

Was bedeutet KI für den Berliner Mittelstand?

Während in den Begegnungsräumen neue Verbindungen entstanden, stand nebenan eine Technologie im Mittelpunkt, die Unternehmen vor strategische Fragen stellt: Künstliche Intelligenz.

Unter dem Titel „Berliner Mittelstand und KI: Was jetzt zählt“ brachte das Verbundprojekt KI-InnoX des IFAF Berlin Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Diskutiert wurde nicht abstrakt über die Potenziale von KI, sondern über konkrete Fragen mittelständischer Unternehmen: Wo bietet ihr Einsatz einen tatsächlichen Mehrwert? Welche Kompetenzen und Voraussetzungen braucht es? Und wie verändert KI langfristige Prozesse wie Unternehmensentwicklung und Nachfolge?

Mit Beiträgen von Prof. Dr. Birgit Felden (HWR Berlin), Prof. Dr. Christina Kratsch (HTW Berlin), Henrik Holst (IHK Berlin) und Prof. Dr. Sabine Baumann verband das Format wissenschaftliche Expertise mit den Erfahrungen und Bedarfen des Berliner Mittelstands. Anschließend konnten die Teilnehmenden die Impulse vertiefen und eigene Fragestellungen einbringen.

Der Austausch machte eine zentrale Aufgabe des Wissenstransfers sichtbar: Hochschulen entwickeln nicht nur neue Technologien. Sie können Unternehmen auch dabei unterstützen, deren Folgen einzuordnen, Einsatzmöglichkeiten kritisch zu prüfen und Veränderungsprozesse zu gestalten.

Gründungsberatung im Praxistest

Noch unmittelbarer wurde das Ausprobieren im dritten Format. Der Train-the-Trainer-Workshop „AI as a Co-Founder – Vibe Coding im Gründungsprozess“ richtete sich an Menschen, die Gründer*innen beraten und begleiten.

Die Teilnehmenden erprobten, wie sich mit KI-gestütztem Vibe Coding in kurzer Zeit digitale Prototypen entwickeln lassen und was das für die Beratung von Gründungsteams bedeutet. Das gewonnene Wissen können sie anschließend in ihre eigene Arbeit übertragen.

Damit nahm der Workshop eine weitere Facette des Transfers in den Blick: Wissen wird nicht nur zwischen Wissenschaft und Unternehmen ausgetauscht, sondern über Multiplikator*innen weitergetragen, angepasst und in neue Kontexte übersetzt. Der Applaus zum Abschluss, der bis in die Nachbarräume zu hören war, gehörte zu den deutlichsten Eindrücken eines lebendigen Nachmittags.

Drei Formate, unterschiedliche Wege in die Zusammenarbeit

Bis in den Abend hinein wurde im CIC diskutiert, ausprobiert und vernetzt. Die drei Formate unterschieden sich in Methode und Zielgruppe: moderiertes Matching, fachlicher Austausch zu einer Schlüsseltechnologie und praktisches Lernen für Multiplikator*innen. Gemeinsam war ihnen die Überzeugung, dass Wissenstransfer dort besonders produktiv wird, wo unterschiedliche Erfahrungen und Kompetenzen aufeinandertreffen. Beim anschließenden Transferale After Work setzte sich der Austausch zwischen den Teilnehmenden der Formate fort.

Der Transferale-Dienstag zeigte damit im Kleinen, was die dezentrale Struktur des Festivals erproben wollte: Der passende Ort, eine klare thematische Frage und ein auf die Zielgruppen zugeschnittenes Format können die Voraussetzungen dafür schaffen, dass aus einem ersten Gespräch mehr wird.

Möglich wurde der Tag durch die Zusammenarbeit der HWR Berlin mit dem Startup Incubator Berlin, der HTW Berlin und dem Bündnis Klimaschutzpartner Berlin unter dem Dach des Verbundprojekts „Zukunft findet Stadt“. Darin arbeiten fünf Berliner Hochschulen für angewandte Wissenschaften und Partner*innen der Praxis gemeinsam daran, neue Wege für den Austausch mit Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft zu erproben.

Die Herausforderungen einer resilienten Stadt lassen sich weder in einer einzelnen Institution noch aus nur einer Perspektive lösen. Dafür braucht es wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrung, unterschiedliche Interessen und Menschen, die bereit sind, Fragen und Wissen miteinander zu teilen. Der Transferale-Dienstag hat dafür Räume geöffnet – und gezeigt, wie viele Wege von der ersten Begegnung zur gemeinsamen Idee führen können.