Neuigkeit | Auszeichnung

POLITEIA-Preis 2025 vergeben

Recht, Gleichstellung und Erinnerung. Die HWR Berlin zeichnet herausragende Abschlussarbeiten zu gesellschaftsrelevanten Themen aus der Frauen- und Geschlechterforschung aus.

24.06.2026

Vier Frauen stehen nebeneinander und halten jeweils eine Sonnenblume vor einem weißen Hintergrund mit der Projektion 'POLITEIA-Preis 2025'
Foto: Manfred H. Vogel

Die Preisverleihung fand in diesem Jahr im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung des Harriet Taylor Mill-Instituts statt. Bereits am Nachmittag kamen Gäste aus Wissenschaft, Hochschule, Politik und Praxis zusammen, um auf die Entwicklung und die Arbeit des Instituts zurückzublicken und über aktuelle Herausforderungen feministischer Forschung und Gleichstellungspolitik zu diskutieren.

Am Abend stand schließlich die Verleihung des POLITEIA-Preises im Mittelpunkt. Durch die Veranstaltung führte Viola Philipp, hauptberufliche Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der HWR Berlin. In ihrer Ansprache blickte sie auf die Geschichte des POLITEIA-Preises zurück und erinnerte daran, dass die Auszeichnung in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum feiert. Sie betonte die besondere Bedeutung des Preises für die Sichtbarkeit von Frauen- und Geschlechterforschung an der HWR Berlin und würdigte das langjährige Engagement all jener, die den Preis über viele Jahre begleitet und weiterentwickelt haben. Gemeinsam mit den Laudator*innen überreichte sie die Auszeichnungen an die Preisträgerinnen.

Auch der Präsident der HWR Berlin hob in seinem Grußwort die besondere Bedeutung des POLITEIA-Preises hervor. Die ausgezeichneten Arbeiten zeigten eindrucksvoll, wie relevant wissenschaftliche Forschung zu Geschlechterfragen für gesellschaftliche Debatten und politische Entwicklungen sei. Gerade Hochschulen komme die Aufgabe zu, Räume für kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung und gesellschaftlichen Dialog zu schaffen.

Der POLITEIA-Preis 2025 ging an Alexa Reinhard vom Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement. In ihrer Bachelorarbeit beschäftigt sie sich mit den Herausforderungen sogenannter Aussage-gegen-Aussage-Verfahren bei Sexualdelikten und analysiert den Verfahrensablauf von der Anzeigenaufnahme bis zur Urteilsfindung. Die Arbeit setzt sich mit Fragen des Opferschutzes, der Beweisführung und strukturellen Herausforderungen innerhalb von Polizei und Justiz auseinander.

Foto: privat

Wie sind Sie auf das Thema für Ihre Arbeit aufmerksam geworden?

Noch vor Beginn meines Studiums an der HWR hat mich der Themenbereich der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung interessiert, und ich wusste, dass ich nach Beendigung des Studiums gerne in diesem Bereich tätig sein möchte. 

In meinem dritten Semester ergab sich mir dann durch Zufall die Möglichkeit, bei Frau Prof. Dr. Neuhaus und Frau Dipl.-Psych. Schühner – die später auch meine beiden Betreuerinnen wurden – eine Nebentätigkeit als studentische Beschäftigte aufzunehmen. Dies ermöglichte mir einen zweijährigen Einblick in die Fallzahlen und die aktuelle Forschung in diesem Bereich.

Im Rahmen eines Rechercheauftrags bin ich dann – eher zufällig und nicht auf der Suche nach einem konkreten Bachelorthema – auf den Begriff „Aussage-gegen-Aussage“ gestoßen, habe mich intensiver in die damit verbundenen Problematiken eingelesen und so schließlich meinen roten Faden entwickelt.

Weshalb ist dieses Thema relevant?

Die Relevanz und Aktualität des Themas Sexualdelikte ergeben sich nahezu von selbst aus den in letzter Zeit medial sehr präsenten Fällen und dem gesellschaftlichen Diskurs. Hier lassen sich beispielhaft die Fälle von Gisèle Pelicot und Collien Fernandes oder die Äußerung des BDK Vorsitzenden Dirk Peglow nennen. 

Sexualstraftaten betreffen die Geschädigten zudem auf einer besonders persönlichen Ebene. Insbesondere bei Aussage-gegen-Aussage-Verfahren, in denen die Aussage der geschädigten Person als zentrales bzw. einziges Beweismittel im Strafverfahren dient, führt eben dieses Merkmal zu einer erhöhten Belastung für das Opfer.

Was ist die Kernaussage, das zentrale Ergebnis Ihrer Arbeit oder auch was hat Sie vielleicht besonders überrascht bei Ihrer Recherche? 

Im Rahmen meiner Bachelorarbeit habe ich den Ablauf des Strafverfahrens bei Sexualdelikten von der Anzeigenaufnahme bei der Polizei, über die Entscheidung durch die Staatsanwaltschaft bis hin zum Urteilsspruch durch das Gericht betrachtet. Dabei zeigen sich insbesondere bei Aussage-gegen-Aussage-Situationen immer wieder Herausforderungen, bspw. das geringe Anzeigeverhalten, die fehlende Aussagekraft von Sachbeweisen, die häufigen Verfahrenseinstellungen, die geringe Verurteilungsquote, die Entstehung von Fehlurteilen sowie das Problem vorgetäuschter Sexualstraftaten. 

Besonders überrascht hat mich hier die Quote von angezeigten zu verurteilten Fällen. Zwar habe ich diese von Beginn an nicht als sonderlich hoch eingeschätzt, hätte jedoch auch nicht damit gerechnet, dass sie nur bei ca. 10 % liegen würde. 

In meiner Diskussion bin ich abschließend auf die Wirkzusammenhänge zwischen den einzelnen Problembereichen eingegangen und habe mögliche Lösungsansätze – wie den verstärkten Einsatz von Schulungen für alle beteiligten Institutionen, eine Erweiterung von Opferschutzmaßnahmen oder das Schaffen von mehr Transparenz im Strafverfahren – entwickelt. 

Was bedeutet Ihnen der Gewinn des POLITEIA-Preises?

Ich habe mich sehr über die Auszeichnung gefreut und musste die Nachricht direkt mit meinen Betreuerinnen und meiner Familie teilen, bei denen ich mich an dieser Stelle auch nochmal ganz herzlich bedanken möchte.

Ich könnte mir gut vorstellen, mich auch weiterhin mit diesem Themenbereich auseinanderzusetzen und wissenschaftliche Erkenntnisse in die polizeiliche Praxis einzubringen, denn für mich ist der Preis ein wichtiges Zeichen, dass dieses Thema mehr Aufmerksamkeit verdient, sowohl politisch als auch in der wissenschaftlichen Forschung und ganz konkret in der Polizei und der Justiz. 

POLITEIA-Medaille für Rabia Mariola Dzierzek

Mit einer POLITEIA-Medaille ausgezeichnet wurde Rabia Mariola Dzierzek vom Fachbereich Allgemeine Verwaltung. Ihre Masterarbeit „Familienrecht im Wandel der Zeit“ untersucht, inwieweit das geltende Familienrecht modernen Familienkonstellationen gerecht wird. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Veränderungen und die rechtlichen Herausforderungen vielfältiger Familienformen.

Foto: privat

Wie sind Sie auf das Thema für Ihre Arbeit aufmerksam geworden?

Auf das Thema meiner Masterarbeit bin ich vor allem durch persönliche Erfahrungen und Gespräche in meinem privaten Umfeld aufmerksam geworden. Dabei ist mir aufgefallen, wie vielfältig Familien heute tatsächlich sind und dass hinter modernen Familienkonstellationen häufig auch komplexe rechtliche Fragestellungen stehen. Diese Einblicke haben mein Interesse geweckt, mich mit der Frage auseinanderzusetzen, ob das geltende Familienrecht den heutigen Lebensrealitäten noch ausreichend gerecht wird. 

Weshalb ist dieses Thema relevant?

Das Familienrecht betrifft einen zentralen Bereich des gesellschaftlichen Zusammenlebens und hat unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen. Familie ist heute jedoch deutlich vielfältiger als das klassische Leitbild der traditionellen Kernfamilie und umfasst eine breite Palette moderner Familienkonstellationen wie Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Regenbogenfamilien oder nichteheliche Lebensgemeinschaften. Diese gelebte Vielfalt steht teilweise in einem Spannungsverhältnis zu rechtlichen Strukturen, die in vielen Bereichen noch historisch geprägt sind. 

Gerade daraus ergeben sich in der Praxis häufig komplexe und teils sehr sensible rechtliche Fragestellungen, etwa im Hinblick auf elterliche Verantwortung, Sorgerechtsregelungen oder die rechtliche Absicherung familiärer Beziehungen. Die Frage, ob das geltende Familienrecht diesen unterschiedlichen Lebensrealitäten noch ausreichend gerecht wird, ist daher nicht nur juristisch bedeutsam, sondern berührt unmittelbar die Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Vor diesem Hintergrund erscheint eine kritische Auseinandersetzung mit Anpassungsbedarf und Reformperspektiven des Familienrechts besonders aktuell und gesellschaftlich relevant. 

Was ist die Kernaussage, das zentrale Ergebnis Ihrer Arbeit oder auch was hat Sie vielleicht besonders überrascht bei Ihrer Recherche?  

Die Untersuchung hat gezeigt, dass das Familienrecht vor der Herausforderung steht, mit den tiefgreifenden Veränderungen gesellschaftlicher Lebensrealitäten Schritt zu halten. Moderne Familienkonstellationen sind längst Teil des gesellschaftlichen Alltags und verdeutlichen, dass Familie heute weit vielfältiger verstanden wird als noch vor einigen Jahrzehnten. 

Zwar hat der Gesetzgeber bereits wichtige Reformen umgesetzt und damit auf gesellschaftliche Entwicklungen reagiert, dennoch wurde im Rahmen dieser Arbeit deutlich, dass die bestehenden Regelungen nicht in allen Bereichen die tatsächliche Vielfalt moderner Familienformen widerspiegeln. Insbesondere dort, wo familiäre Verantwortung über traditionelle biologische oder eheliche Bindungen hinausgeht, ergeben sich weiterhin rechtliche Unsicherheiten und Regelungslücken. 

Die Forschungsfrage ist daher differenziert zu beantworten: Das geltende Familienrecht bietet zwar eine tragfähige Grundlage für den Schutz familiärer Beziehungen, wird den Anforderungen moderner Familienkonstellationen jedoch nicht uneingeschränkt gerecht. Vielmehr zeigt sich, dass gesellschaftlicher Wandel und rechtliche Entwicklung in einem fortlaufenden Spannungsverhältnis stehen. 

Gerade diese Entwicklung wirft die Frage auf, wie das Familienrecht künftig ausgestaltet werden muss, um sowohl Rechtssicherheit als auch gesellschaftliche Realität angemessen auszubilden. Die zunehmende Vielfalt familiärer Lebensformen macht deutlich, dass die Weiterentwicklung des Familienrechts auch in Zukunft eine zentrale rechtspolitische Aufgabe bleiben wird. 

Was bedeutet Ihnen der Gewinn der POLITEIA-Medaille?

Der Gewinn der POLITEIA-Medaille bedeutet mir sehr viel. Als ich die Masterarbeit schrieb, befand ich mich in einer schwierigen Zeit. Kurz vor dem Abschluss ist meine Mutter gestorben. Ich habe diese Arbeit ihr gewidmet – in den Momenten der Trauer und des Zweifels hat mich der Gedanke an sie angetrieben. Es ging mir nicht um Preise oder Noten, sondern um ein Thema, das mir am Herzen liegt. Dass diese Arbeit nun mit einer POLITEIA-Medaille gewürdigt wird, berührt mich zutiefst und der Gewinn macht mich wahnsinnig stolz. Sie steht zudem für all die schlaflosen Nächte, den Kaffee, das Auf und Ab der Gefühle und den Moment, in dem man das Gefühl hat, es bricht einem über den Kopf zusammen. Heute weiß ich: Es hat sich gelohnt!

POLITEIA-Medaille für Rim Habachia

Ebenfalls mit einer POLITEIA-Medaille ausgezeichnet wurde Rim Habachia vom Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. In ihrer Masterarbeit untersucht sie strukturelle Herausforderungen für Frauen in Führungspositionen der Tech-Branche. Dabei analysiert sie unter anderem Gender Bias, fehlende Netzwerke und unterschiedliche Hürden entlang verschiedener Karrierestufen.

Foto: privat

Wie sind Sie auf das Thema für Ihre Arbeit aufmerksam geworden?

Auf das Thema bin ich sowohl durch meine berufliche Erfahrung als auch durch mein persönliches Interesse an Gender Equality aufmerksam geworden. Ich arbeite in der Tech-Branche in Berlin und habe dort immer wieder beobachtet, dass Frauen um mich herum häufig größere Hürden überwinden mussten, um in höhere Führungspositionen zu gelangen. Besonders sichtbar wurde das für mich in Gesprächen mit Kolleginnen sowie durch meine Teilnahme an einer Women Resource Group, die von meinem Arbeitgeber organisiert wurde. Dort wurden viele Erfahrungen geteilt, die zunächst individuell wirkten, sich aber als strukturelle Muster zeigten, z. B. fehlende Sichtbarkeit, weniger Zugang zu Netzwerken oder stereotype Erwartungen. Diese Beobachtungen haben mich dazu motiviert, das Thema wissenschaftlich zu untersuchen. 

Weshalb ist dieses Thema relevant? 

Das Thema ist relevant, weil Frauen in Führungspositionen, insbesondere in der Tech-Branche, weiterhin deutlich unterrepräsentiert sind. Diese Unterrepräsentation ist nicht nur eine Frage individueller Karrierewege, sondern auch eine Frage von Chancengerechtigkeit und organisationaler Verantwortung. Tech-Unternehmen gestalten zunehmend unsere Arbeitswelt, unsere Kommunikation und unsere Zukunft. Deshalb ist es entscheidend, wer in diesen Unternehmen Entscheidungen trifft. Meine Arbeit zeigt, dass Frauen nicht an mangelnder Qualifikation scheitern, sondern häufig an strukturellen, kulturellen und sozialen Barrieren entlang der gesamten Leadership Pipeline.

Was ist die Kernaussage, das zentrale Ergebnis Ihrer Arbeit oder auch was hat Sie vielleicht besonders überrascht bei Ihrer Recherche?

Die Kernaussage meiner Arbeit ist, dass Frauen in der Tech-Branche nicht nur mit einer einzelnen Barriere konfrontiert sind, sondern mit einem Zusammenspiel aus gesellschaftlichen, organisationalen und individuellen Herausforderungen. Dazu gehören unter anderem Gender Bias, fehlende Netzwerke und Schwierigkeiten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Diese Herausforderungen bestehen zwar auch in anderen Branchen, sind in der Tech-Branche jedoch besonders ausgeprägt, da sie weiterhin stark männlich geprägt ist. Besonders wichtig war für mich die Erkenntnis, dass diese Herausforderungen je nach Karrierestufe unterschiedlich wirken. Frauen am Anfang ihrer Karriere kämpfen z. B. oft stärker mit Sichtbarkeit, während auf höheren Ebenen Themen wie strategische Netzwerke und der Zugang zu Entscheidungsmacht wichtiger werden. Überraschend war für mich auch, dass viele organisationale Maßnahmen zwar gut gemeint sind, aber oft als nicht spezifisch genug empfunden werden, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Frauen in verschiedenen Karrierephasen einzugehen.

Was bedeutet Ihnen der Gewinn der POLITEIA-Medaille?

Der Gewinn der POLITEIA-Medaille bedeutet mir sehr viel. Ich fühle mich sehr geehrt, besonders als Frau und als Migrantin, diesen Punkt auf meinem akademischen Weg erreicht zu haben. Ich bin die erste Person in meiner Familie, die eine akademische Auszeichnung erhält, und das macht mich sehr stolz. Besonders bedeutsam ist für mich, dass diese Anerkennung für eine Arbeit verliehen wird, deren Thema mir persönlich sehr am Herzen liegt. Ich schätze es sehr, dass die HWR Berlin Raum dafür schafft, gesellschaftlich relevante Themen wissenschaftlich zu erforschen und sichtbar zu machen. Und ich möchte an dieser Stelle vor allem meiner Mutter meinen Dank aussprechen. Sie hat mir gezeigt, dass ich alles schaffen und sein kann, was ich möchte. Ebenso danke ich den Frauen, die mich inspiriert haben, die mich auf meinem akademischen Weg unterstützt haben und die ich im Rahmen meiner Masterarbeit interviewen durfte. Ohne sie alle wäre diese Arbeit nicht entstanden.

POLITEIA-Medaille für Delia Wartmann 

Eine weitere POLITEIA-Medaille erhielt Delia Wartmann vom Fachbereich Allgemeine Verwaltung. In ihrer Bachelorarbeit beschäftigt sie sich mit dem Diskurs um die Friedensstatue in Berlin-Moabit und der koreanisch-japanischen „Trostfrauen“-Debatte. Ihre Arbeit verbindet Fragen von Erinnerungskultur, Geschichtspolitik und dem Umgang mit sexualisierter Gewalt im Kriegskontext.

Wie sind Sie auf das Thema für Ihre Arbeit aufmerksam geworden? 

Ich interessiere mich schon länger für japanische und koreanische Kultur und Geschichte. In diesem Zusammenhang bin ich bereits etwa 2014-2015 auf das Schicksal der „Trostfrauen“ aufmerksam geworden und habe seitdem die Entwicklungen der „Trostfrauen“-Bewegung beobachtet. Auf die Friedensstatue in Berlin-Moabit bin ich durch die Medien aufmerksam geworden.

Weshalb ist dieses Thema relevant? 

Die Aktualität der Themen, die im Konflikt um die Friedensstatue in Moabit aufeinandertreffen, macht eine ausführliche Auseinandersetzung mit der „Trostfrauen“-Bewegung nötig. Erstarkender Nationalismus in Deutschland sowie international, die Relevanz (sexualisierter) Gewalt im Kriegskontext aktueller Konflikte sowie die steigenden Zahlen von Gewalttaten gegen Frauen fordern die Auseinandersetzung mit diesen Themen. Nur wer diese Problematiken tiefergehend versteht, kann Lösungswege finden.

Was ist die Kernaussage, das zentrale Ergebnis Ihrer Arbeit oder auch was hat Sie vielleicht besonders überrascht bei Ihrer Recherche?  

Aufgrund der Auseinandersetzung mit der Positionierung deutscher Akteur*innen im Diskurs um die Friedensstatue wird auch der Umgang mit den eigenen Kriegsverbrechen deutlich. Auch von deutscher Seite ging sexualisierte Gewalt während des Zweiten Weltkrieges aus. Aufgearbeitet wird dieser Aspekt der deutschen Geschichte jedoch kaum. Forderte man nun von japanischer Seite eine Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Kriegskontext, so müsste die deutsche Geschichtsaufarbeitung folgen, um nicht unglaubwürdig zu erscheinen. Doch aufgrund des Tabus sexualisierter Kriegsverbrechen und auch der immer lauter werdenden Forderung, die Vergangenheit ruhen zu lassen, ist es schwer, dafür Akzeptanz zu finden. Solange die Scheu vor einer politischen Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Kriegskontext besteht, verbleibt die Durchsetzung der Forderungen an ein Gedenken für die „Trostfrauen“ weiterhin in den Händen der zivilen Gesellschaft.

Was bedeutet Ihnen der Gewinn der POLITEIA-Medaille? 

Ich freue mich sehr über diese Auszeichnung und die Anerkennung meiner Leistung. Ich glaube, viele hören und lesen aufgrund meiner Auszeichnung zum ersten Mal von dem Schicksal der „Trostfrauen“. Ich hoffe, viele von ihnen nehmen dies zum Anlass, sich zu informieren und sich kritisch mit internationalen Diskursen auseinanderzusetzten.

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