Neue Kooperation stärkt Geschlechterforschung
Harriet Taylor Mill-Institut der HWR Berlin, Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen und Ökonominnen-Netzwerk efas bündeln Expertise für mehr frauenpolitische Wirksamkeit.

Berlin, den 13. Mai 2026 – Obwohl Frauen mehr als die Hälfte aller Studienabschlüsse erwerben, sind sie auf den höheren Karrierestufen des deutschen Wissenschaftssystems weiterhin unterrepräsentiert. Laut Statistischem Bundesamt waren 2024 nur 30 Prozent der Professuren an den Hochschulen in Deutschland mit Frauen besetzt.
Das Harriet Taylor Mill-Institut für Ökonomie und Geschlechterforschung (HTMI) der HWR Berlin baut seine Zusammenarbeit mit frauenpolitischen und wissenschaftlichen Netzwerken aus. Neue Partnerinnen sind die Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e. V. (ÜPFI) sowie das Ökonominnen-Netzwerk efas (economy, feminism and science).
Ziel der Kooperation ist es, Forschung, Wissenstransfer und gesellschaftspolitische Debatten in der Geschlechterforschung weiter zu stärken. „Kooperationen mit zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Netzwerken sind zentral, um Forschungsergebnisse in gesellschaftliche Debatten einzubringen und neue Impulse für die Geschlechterforschung zu gewinnen“, sagt Prof. Dr. Friederike Maier, Gründerin und erste Direktorin des 2001 gegründeten HTMI.
Frauenpolitisches Netzwerk mit Berliner Wurzeln
Die Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e. V. ist ein partei- und generationenübergreifendes Bündnis politisch engagierter Frauen aus Berlin. Die Initiative setzt sich für die stärkere Partizipation von Frauen in politischen und öffentlichen Entscheidungsprozessen sowie für geschlechtergerechte Politik ein.
Die Mitglieder sind Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und kommen aus Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses, der Landesregierung, von Gewerkschaften, Wissenschaftseinrichtungen, Frauenprojekten, Medien und weiteren politischen und gesellschaftlichen Bereichen.
Gegründet wurde der Verein 1992 von frauenpolitisch engagierten Parlamentarierinnen verschiedener Fraktionen des Berliner Abgeordnetenhauses gemeinsam mit Vertreterinnen Berliner Frauenprojekte – als damals bundesweit einzigartiges Bündnis.
Zu den zentralen Zielen gehören die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern im demokratischen Gemeinwesen sowie die stärkere Sichtbarkeit frauenpolitischer Themen über Parteigrenzen hinweg. Zudem sollen frauenpolitische Akteurinnen innerhalb und außerhalb von Institutionen besser vernetzt werden, Frauen in Politik, Verwaltung, Parteien, Organisationen und zivilgesellschaftlichen Initiativen unterstützt und der nationale und internationale Austausch mit ähnlichen Initiativen vorangetrieben werden. Dafür organisiert der Verein Tagungen, Kongresse und Diskussionsveranstaltungen.
Neues Dialogformat: Feministischer Salon
Aus der Kooperation zwischen ÜPFI und HTMI ist ein neues Veranstaltungsformat entstanden: der Feministische Salon. Bisher wurden unter anderem politische Entwicklungen in den USA seit der Amtsübernahme Donald Trumps, das Wahlverhalten von Frauen, frauenfeindliche Netzwerke, digitale Gewalt, frauenpolitische Rollbacks sowie das politische Engagement junger Frauen mit Blick auf Rahmenbedingungen und Aktionsformen diskutiert. Kennzeichnend für das Format sind kurze thematische Impulse und ausführliche Diskussionsrunden, die Raum für Austausch und Perspektiven aller Teilnehmenden bieten.
Der nächste Feministische Salon findet am 29. Mai 2026 zum Thema „Sinkende Geburtenraten – ein heimlicher Gebärstreik?“ statt.
Ökonominnen-Netzwerk efas nun am HTMI angesiedelt
Seit 2025 ist das Ökonominnen-Netzwerk efas am Harriet Taylor Mill-Institut angesiedelt. Das Netzwerk wurde 2000 an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin) gegründet und ist ein Zusammenschluss von rund 500 Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerinnen.
efas verfolgt das Ziel, Ökonominnen stärker zu vernetzen, feministische Perspektiven in den Wirtschaftswissenschaften zu verankern und die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Praxis auszubauen. Zentrale Anliegen des Netzwerks sind der regelmäßige Erfahrungsaustausch zwischen Ökonominnen und Wissenschaftlerinnen angrenzender Disziplinen und die Förderung von Forschungskooperationen. Darüber hinaus sollen insbesondere Nachwuchswissenschaftlerinnen unterstützt, geschlechtsspezifische Fragestellungen stärker in Forschung und Lehre im Bereich der Wirtschaftswissenschaften integriert und der interdisziplinäre Austausch zwischen Wissenschaft, Politikberatung und Praxis gestärkt werden. Darüber hinaus setzt sich efas für einen öffentlich sichtbaren und wirksamen Diskurs über genderspezifische Barrieren in Wissenschaft und Wirtschaft ein und orientiert sich an transparenten Gleichstellungsstandards, wie sie von der Deutschen Forschungsgemeinschaft formuliert wurden.
Zu den Aktivitäten des Netzwerks zählen jährliche Fachtagungen, die Ausschreibung und Verleihung des efas-Preises für Bachelor-, Masterarbeiten und Dissertationen sowie regelmäßige Informationsangebote für Mitglieder, darunter ein Newsletter. Die Arbeit des Netzwerks wird durch einen wissenschaftlichen Ausschuss und eine Geschäftsstelle strukturiert, die nun am HTMI angesiedelt ist. Die Mitglieder wirken aktiv an der Gestaltung der Netzwerkaktivitäten mit.
„Wir freuen uns sehr, dass das Harriet Taylor Mill-Institut mit diesen beiden neuen Partnerschaften aktiv in die frauenpolitische Landschaft Berlins und das deutschsprachige Netzwerk der Ökonominnen eingebunden ist. Diese Zusammenarbeit wird unsere Arbeit bereichern und die Reichweite unserer Forschung sowie unseres Wissenstransfers deutlich erhöhen“, sagt Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok, Direktorin des Harriet Taylor Mill-Instituts.
Über das Harriet Taylor Mill‑Institut (HTMI)
Das Harriet Taylor Mill‑Institut (HTMI) der HWR Berlin ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut, in dem Wissenschaftler*innen aus VWL, BWL, Psychologie, Soziologie, Informatik und Recht zu geschlechtsspezifischen Fragestellungen in Forschung, Lehre und für die Politikberatung arbeiten. Das HTMI setzt wichtige Impulse für Wissenschaft, Politik und gesellschaftliche Debatten zur Gleichstellung und zu Geschlechterverhältnissen in Wirtschaft und Staat. Am 12. Juni 2026 feiert das Harriet Taylor Mill-Institut (HTMI) sein 25-jähriges Bestehen mit einer Jubiläumsveranstaltung unter dem Titel „25 Jahre HTMI – Feministische Utopien zwischen Ökonomie, Recht und Verwaltung“. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Grußwort der Berliner Senatorin für Frauen und Gleichstellung, Cansel Kiziltepe, eine Würdigung durch die Gründungsdirektorin Prof. Dr. Friederike Maier sowie ein Festvortrag von Soziologin und Geschlechterforscherin Prof. Dr. Sabine Hark.
Kontakt
Harriet Taylor Mill-Institut (HTMI)
www.htmi.hwr-berlin.de
E-Mail: htmi(at)hwr-berlin.de
Überparteiliche Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen e.V. (ÜPFI)
www.berlin-stadtderfrauen.de
E-Mail: info(at)berlin-stadtderfrauen.de
Ökonominnen-Netzwerk efas (economy, feminism and science)
efas-netzwerk.de
E-Mail: info(at)efas-netzwerk.de