Gute Ökonomie braucht Feminismus
Wie gestalten wir den Wandel gerecht? HTMI-Direktorin Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok im Interview über geschlechtergerechte wirtschaftliche Teilhabe und zukunftsfähige Politik.

Zur Person
Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok ist Professorin für Volkswirtschaftslehre mit dem Schwerpunkt Wirtschafts- und Sozialpolitik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) und Direktorin des Harriet Taylor Mill‐Instituts für Ökonomie und Geschlechterforschung (HTMI). Sie war Vorsitzende des Beirats der Bundesstiftung Gleichstellung und leitete im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Sachverständigenkommission für den Dritten Gleichstellungsbericht. Als prominente Brain City-Botschafterin vertritt sie den Wissenschaftsstandort Berlin.
25 Jahre HTMI. Wenn Sie auf die Gründungsidee des Instituts zurückblicken: Warum war es damals wichtig, Geschlechterfragen gemeinsam aus der Perspektive von Ökonomie, Recht und Verwaltung zu betrachten?
Als das Harriet Taylor Mill-Institut 2001 gegründet wurde, war die zentrale Erkenntnis, dass Geschlechterungleichheiten nicht innerhalb einer einzelnen Disziplin verstanden werden können. Ökonomische Anreize, rechtliche Rahmenbedingungen und verwaltungspraktische Umsetzungen greifen ineinander.
Wer beispielsweise über Erwerbsarbeit, Entgeltgleichheit oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf spricht, muss zugleich die ökonomischen Strukturen, die rechtlichen Regelungen und deren Umsetzung in Organisationen und Verwaltungen betrachten.
Genau diese Perspektive war damals innovativ und ist bis heute ein Alleinstellungsmerkmal des HTMI. Seit seiner Gründung versteht sich das Institut als Ort interdisziplinärer Forschung an den Schnittstellen von Ökonomie, Recht, Verwaltung und Geschlechterforschung.
Ist dieser interdisziplinäre Ansatz heute vielleicht sogar wichtiger denn je?
Ja, das ist so. Die großen gesellschaftlichen Transformationsprozesse wie die Digitalisierung, der demografische Wandel, Fachkräftemangel oder die sozial-ökologische Transformation sind immer auch Geschlechterfragen.
Sie betreffen Arbeitsmärkte, soziale Sicherungssysteme, rechtliche Teilhabemöglichkeiten und staatliches Handeln zugleich. Wer verstehen möchte, warum bestimmte Gruppen von den Chancen dieser Entwicklungen profitieren und andere nicht, braucht unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven und deren Zusammenspiel.
Wenn wir über Gleichstellung sprechen, reicht der Blick auf Geschlecht allein heute offenbar nicht mehr aus. Warum ist es so wichtig, unterschiedliche Formen von Benachteiligung gemeinsam in den Blick zu nehmen?
Geschlecht ist eine zentrale Dimension gesellschaftlicher Ungleichheit. Zugleich entstehen Teilhabechancen und Benachteiligungen häufig an der Schnittstelle verschiedener sozialer Kategorien und Machtverhältnisse. Herkunft, soziale Lage, Migrationserfahrung, Alter, Behinderung oder Familienform wirken häufig mit Geschlechterverhältnissen zusammen. Eine zukunftsorientierte Gleichstellungspolitik muss deshalb intersektional denken. Sie muss fragen, welche Gruppen von gesellschaftlichen Chancen ausgeschlossen werden, welche Hürden bestehen und wie Teilhabe für alle verbessert werden kann.
Gerade deshalb ist das HTMI mehr als ein Institut für Geschlechterforschung. Es ist ein Ort, an dem komplexe gesellschaftliche Herausforderungen interdisziplinär analysiert und praxisorientierte Lösungen entwickelt werden. Die Gründungsidee, Geschlechterfragen gemeinsam aus der Perspektive von Ökonomie, Recht und Verwaltung zu betrachten, hat daher nichts von ihrer Aktualität verloren. Im Gegenteil.
Ein Thema, das aktuell Politik und Wirtschaft gleichermaßen beschäftigt, ist die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie. Der Gender Pay Gap bleibt trotz vieler Fortschritte bestehen. Welche Rolle kann ein Institut wie das HTMI dabei spielen, Forschungsergebnisse so aufzubereiten, damit sie Unternehmen, Politik und Verwaltung bei der Entwicklung wirksamer Lösungen unterstützen?
Genau darin liegt der besondere Auftrag einer Hochschule für angewandte Wissenschaften: wissenschaftliche Erkenntnisse so aufzubereiten, dass sie gesellschaftliche Herausforderungen konkret adressieren können.
Wir wissen aus der Forschung inzwischen sehr genau, dass der Gender Pay Gap nicht allein das Ergebnis individueller Entscheidungen ist. Die Herausforderung besteht heute weniger darin, das Problem zu beschreiben, sondern wirksame Lösungen zu entwickeln und umzusetzen. Die EU-Entgelttransparenzrichtlinie ist hierfür ein gutes Beispiel. Sie schafft neue rechtliche Instrumente, doch ihre Wirkung hängt entscheidend davon ab, wie Unternehmen, Verwaltungen und Sozialpartner diese Instrumente anwenden. Hier leistet das HTMI einen wichtigen Beitrag: Wir können die ökonomischen Ursachen von Entgeltunterschieden analysieren, die rechtlichen Anforderungen bewerten und zugleich die praktische Umsetzung in Organisationen in den Blick nehmen. Dadurch entstehen Lösungen, die nicht nur wissenschaftlich fundiert, sondern auch umsetzbar sind.
Forschung entfaltet ihre gesellschaftliche Wirkung erst dann, wenn sie den Weg in politische Entscheidungen, betriebliche Praxis und Verwaltungsprozesse findet.
Diese Rolle hat das HTMI in den vergangenen 25 Jahren immer wieder übernommen und sie wird in Zukunft eher an Bedeutung gewinnen.
Deutschland diskutiert intensiv über Fachkräftemangel und demografischen Wandel. Gleichzeitig zeigen viele Studien, dass das Erwerbspotenzial von Frauen noch immer nicht vollständig ausgeschöpft wird, unter anderem wegen einer ungleichen Verteilung von Sorgearbeit. Warum ist dieses Thema aus Ihrer Sicht nicht nur eine Gleichstellungsfrage, sondern auch eine zentrale Zukunftsfrage für die deutsche Volkswirtschaft?
Ich halte das für eine der zentralen wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Fragen unserer Zeit. Lange wurde die bessere Erwerbsintegration von Frauen vor allem als Gleichstellungsthema diskutiert. Das ist sie auch. Aber angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fach- und Arbeitskräftemangels ist sie längst ebenso eine ökonomische Zukunftsfrage.
Frauen verfügen heute über ein so hohes Bildungsniveau wie nie zuvor, arbeiten aber weiterhin deutlich häufiger in Teilzeit, unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und übernehmen nach wie vor den Großteil der unbezahlten Sorgearbeit. Dadurch bleibt ein erhebliches Erwerbs- und Qualifikationspotenzial ungenutzt.
Wie wirkt sich das auf die Volkswirtschaft aus?
Aus ökonomischer Sicht können wir es uns eigentlich nicht leisten, auf dieses Potenzial zu verzichten.
Die Frage ist daher nicht, ob mehr Frauen erwerbstätig sein sollten, sondern unter welchen Bedingungen sie ihre Qualifikationen und Kompetenzen tatsächlich einbringen können.
Dazu gehören eine verlässliche Kinderbetreuung, eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie, eine partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit und Arbeitsbedingungen, die Lebensverläufen von Frauen und Männern gleichermaßen gerecht werden.
Gerade hier zeigt sich, wie eng Gleichstellungs- und Wirtschaftspolitik miteinander verbunden sind. Wer über Fachkräftesicherung spricht, muss auch über Geschlechterrollen, Sorgearbeit und die Organisation von Erwerbsarbeit sprechen. Anders formuliert: Die Frage, wie wir Arbeit und Sorgearbeit in unserer Gesellschaft verteilen, entscheidet nicht nur über die Gleichstellung von Frauen und Männern, sondern auch über die zukünftige Leistungs- und Innovationsfähigkeit unserer Volkswirtschaft.
Das HTMI-Jubiläum steht unter dem Titel „Feministische Utopien zwischen Ökonomie, Recht und Verwaltung“. Welche feministischen Ideen oder Forderungen, die vor 25 Jahren noch als utopisch galten, sind heute Realität geworden?
Viele der Forderungen, die vor 25 Jahren als feministische Utopien erschienen, sind heute Teil gesellschaftlicher und institutioneller Realität geworden. Das betrifft zunächst die grundlegende Einsicht, dass Geschlechterverhältnisse keine private Angelegenheit, sondern eine zentrale Strukturkategorie moderner Gesellschaften sind. Vor über einem Vierteljahrhundert war es keineswegs selbstverständlich, dass sich Gleichstellungsziele in Gesetzgebung, Verwaltungspraxis, Hochschulsteuerung und Unternehmensführung finden.
Die Debatten über Frauen in Führungspositionen, Entgeltgleichheit oder geschlechtergerechte Arbeitsorganisation zeigen, dass sich der Fokus von der formalen Gleichberechtigung hin zu den Bedingungen tatsächlicher Teilhabe verschoben hat.
Wo zeigt sich das in der Praxis konkret?
Besonders bemerkenswert erscheint mir die veränderte gesellschaftliche Wahrnehmung von Sorgearbeit. Die feministische Kritik hat früh darauf hingewiesen, dass die Wirtschaft auf Leistungen beruht, die außerhalb von Märkten erbracht werden und in volkswirtschaftlichen Analysen lange unsichtbar blieben. Care-Arbeit wird heute deutlich mehr als gesellschaftlich und ökonomisch relevante Infrastruktur verstanden. Das ist ein Erfolg feministischer Wissensproduktion und politischer Intervention.
Zugleich wäre es verfehlt, diese Entwicklungen als lineare Erfolgsgeschichte zu erzählen. Viele der Forderungen wurden zwar institutionell aufgegriffen, ihre praktische Verwirklichung bleibt jedoch unvollständig. Die Anerkennung von Care-Arbeit hat beispielsweise nicht automatisch zu ihrer gerechten Verteilung geführt. Frauen sind weiterhin überproportional für Sorgearbeit verantwortlich, Einkommens- und Vermögensunterschiede bestehen fort, und auch in Führungspositionen oder wissenschaftlichen Spitzenfunktionen sind Geschlechterasymmetrien nach wie vor sichtbar.
Die Geschichte feministischer Politik ist deshalb nicht nur eine Geschichte erfolgreicher Institutionalisierung, sondern auch eine Geschichte der Beharrungskraft sozialer Ungleichheiten.
Braucht es also neue Visionen, um diese Beharrungskraft zu brechen?
Gleichzeitig lehrt uns die Geschichte feministischer Bewegungen, dass jede verwirklichte Utopie neue Fragen hervorbringt. Die Digitalisierung, die sozial-ökologische Transformation oder die Krise demokratischer Institutionen stellen uns heute vor Herausforderungen, die vor 25 Jahren kaum absehbar waren. In diesem Sinne sind feministische Utopien weniger Endzustände als kritische Perspektiven auf Gesellschaft. Sie eröffnen die Möglichkeit, bestehende Ungleichheitsverhältnisse sichtbar zu machen und alternative Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens denkbar werden zu lassen.
Welche Kernbotschaft nehmen Sie daraus für 25 Jahre HTMI mit?
Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus 25 Jahren HTMI: Utopien sind nicht das Gegenteil von Realität. Sie sind oft deren Vorläufer. Doch ihre Verwirklichung bleibt stets vorläufig und umkämpft.
Gerade weil Fortschritte erreicht wurden, werden die verbleibenden Widersprüche sichtbarer.
Feministische Forschung und Politik haben deshalb nicht die Aufgabe, das Erreichte zu feiern, sondern immer wieder zu fragen, welche Formen von Ungleichheit fortbestehen, neu entstehen oder sich hinter scheinbar erreichten Erfolgen verbergen. Genau darin liegt ihre anhaltende gesellschaftliche Relevanz.
Das HTMI hat kürzlich seine Kooperation mit der Überparteilichen Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen und dem Ökonominnen-Netzwerk efas ausgebaut. Was versprechen Sie sich von dieser stärkeren Vernetzung zwischen Wissenschaft, Politik, Zivilgesellschaft und Praxis – gerade in einer Zeit, in der Gleichstellungspolitik zunehmend gesellschaftlich kontrovers diskutiert wird?
Ich halte diese Vernetzung für wichtiger denn je. Gesellschaftliche Herausforderungen lassen sich weder allein durch Wissenschaft noch allein durch Politik oder Praxis lösen. Sie erfordern den Austausch unterschiedlicher Perspektiven, Erfahrungen und Wissensformen. Gerade darin liegt die besondere Stärke der Kooperation zwischen dem HTMI, der Überparteilichen Fraueninitiative Berlin – Stadt der Frauen und dem Ökonominnen-Netzwerk efas: Sie verbindet wissenschaftliche Expertise mit politischer Gestaltungserfahrung, zivilgesellschaftlichem Engagement und praktischer Umsetzungskompetenz.
Für die Wissenschaft eröffnet eine solche Vernetzung die Möglichkeit, Forschung stärker an gesellschaftlichen Problemlagen auszurichten und ihre Erkenntnisse in öffentliche Debatten einzubringen. Umgekehrt profitiert die Wissenschaft von den Erfahrungen und Fragestellungen, die aus Politik, Verwaltung, Unternehmen und Zivilgesellschaft an sie herangetragen werden. Gute Forschung entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Dialog.
Wie steht es aktuell um diesen öffentlichen Diskurs?
Wir beobachten derzeit, dass gesellschaftliche Debatten stärker polarisiert geführt werden und dass wissenschaftliche Erkenntnisse selbst zum Gegenstand politischer Auseinandersetzungen werden. Umso wichtiger ist es, Räume für einen differenzierten und demokratischen Dialog zu schaffen. Netzwerke wie diese können dazu beitragen, Brücken zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen zu bauen und komplexe Fragen jenseits von Schlagworten oder ideologischen Zuspitzungen zu diskutieren.
Darüber hinaus geht es auch um die Sichtbarkeit von Expertise. Frauen verfügen über enormes Wissen und vielfältige Erfahrungen in Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft. Netzwerke schaffen die Möglichkeit, dieses Wissen zusammenzuführen, gegenseitig zu stärken und in gesellschaftliche Entscheidungsprozesse einzubringen. Gerade in Zeiten demokratischer Fragilität sind solche Räume des Austauschs und der solidarischen Zusammenarbeit von besonderer Bedeutung.
Ich verstehe die Kooperationen deshalb nicht nur als institutionelle Partnerschaften, sondern als Teil eines größeren demokratischen Projekts: Wissen zu teilen, Perspektiven zusammenzuführen und gemeinsam an einer Gesellschaft zu arbeiten, die gerechter, inklusiver und zukunftsfähiger ist.
Welche Visionen für eine geschlechtergerechte Arbeitswelt und tatsächliche Teilhabe halten Sie für die kommenden 25 Jahre für besonders wichtig?
Wenn wir über die nächsten 25 Jahre nachdenken, dann geht es aus meiner Sicht nicht nur um neue Visionen, sondern auch um die Verteidigung bereits erreichter Fortschritte. Lange Zeit schien es selbstverständlich, dass Gleichstellung, Demokratie und soziale Teilhabe schrittweise ausgebaut werden. Heute wissen wir, dass gesellschaftlicher Fortschritt weder linear noch irreversibel ist. Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit beobachten wir eine wachsende Fragilität demokratischer Institutionen, den Aufstieg autoritärer und antifeministischer Strömungen sowie die zunehmende Infragestellung von Rechten, die lange als gesichert galten. Vor diesem Hintergrund besteht eine zentrale Aufgabe darin, Errungenschaften nicht als Endpunkt gesellschaftlicher Entwicklung zu begreifen, sondern als stets neu zu verteidigende und weiterzuentwickelnde Ergebnisse politischer Aushandlungsprozesse.
Inwiefern haben die großen Transformationen und aktuellen Krisen unserer Zeit immer auch eine geschlechtsspezifische Dimension?
Digitalisierung, demografischer Wandel, geopolitische Unsicherheiten und die sozial-ökologische Transformation sind keine geschlechtsneutralen Entwicklungen. Sie erzeugen Gewinner und Verlierer. Gerade in der Wirtschaftspolitik wird dies besonders deutlich. Ob ein Staat auf expansive Investitionen setzt oder auf fiskalische Zurückhaltung, diese Entscheidungen haben geschlechtsbezogene Folgen. Die Erfahrungen der Finanzkrise, der Pandemie, der Energiekrise und der aktuellen Haushaltsdebatten zeigen, dass Krisenpolitik keineswegs geschlechtsneutral wirkt. Kürzungen im öffentlichen Sektor, in der sozialen Infrastruktur oder im Bildungsbereich treffen häufig gerade jene Bereiche, in denen Frauen überproportional beschäftigt sind oder auf öffentliche Leistungen angewiesen sind.
Eine wichtige Vision für die kommenden Jahrzehnte besteht deshalb darin, Geschlechtergerechtigkeit nicht als nachgelagertes Korrektiv zu verstehen, sondern als integralen Bestandteil von Wirtschafts-, Sozial- und Finanzpolitik.
Die Frage nach Verteilungsgerechtigkeit muss immer auch die Frage nach Geschlechtergerechtigkeit sein, oder in anderen Worten: von Menschenrechten.
Wie würden Sie vor diesem Hintergrund den Begriff des Fortschritts definieren?
Mir erscheint eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung wichtig, in der Sorgearbeit nicht länger als Randthema behandelt wird, sondern als grundlegende Voraussetzung gesellschaftlichen Wohlstands. Das würde bedeuten, dass die Verantwortung für Care-Arbeit gerechter verteilt und ihre Bedeutung auch ökonomisch stärker berücksichtigt wird. Es geht dabei nicht nur um Geschlechtergerechtigkeit, sondern um die Frage, welche Tätigkeiten wir als gesellschaftlich wertvoll anerkennen. Vielleicht besteht die wichtigste feministische Vision für die kommenden 25 Jahre deshalb darin, den Begriff des Fortschritts neu zu definieren:
Feministische Utopien erinnern uns daran, dass gesellschaftlicher Fortschritt nicht allein an wirtschaftlichem Wachstum gemessen werden sollte, sondern auch daran, wie Menschen leben, arbeiten, füreinander sorgen und demokratisch zusammenleben können.
Frau Prof. Yollu-Tok, ich danke Ihnen für das Gespräch.
Das Interview wurde aufgezeichnet von Sylke Schumann, Pressesprecherin der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin.