Prof. Dr. Kim Teppe
Prof. Dr. Kim Teppe ist seit September 2025 Professorin für Öffentliches Recht mit dem Schwerpunkt Verwaltungs- und Verwaltungsprozessrecht am Fachbereich Allgemeine Verwaltung.

Prof. Dr. Kim Teppeist spezialisiert auf Europäisches Umwelt- und Risikorecht (insbesondere Chemikalien-, Arzneimittel- und Lebensmittelrecht). Gesellschaftliche Relevanz und Zugänglichkeit von Forschung und Lehre sind ihr besonders wichtig.
Wer oder was diente für Sie als persönliche Inspiration für Ihren Berufsweg als HAW-Professorin?
Prof. Dr. Carolin Floeter und Art. 5 Abs. 3 GG: Die Freiheit von Wissenschaft, Forschung und Lehre. Das heißt Themen, die mich wirklich bewegen, auszuwählen, allein nach rechtsdogmatischen Maßstäben zu durchdringen und mich dazu frei zu äußern, ausschließlich der Verfassung und meinem Gewissen verpflichtet. In den Genuss dieses Privilegs kam ich erstmals als Teil einer Forschungsgruppe von Prof. Floeter. Die weiteren Stationen meines Berufsweges haben jede auf ihre Art gezeigt, wie unterschiedlich Recht angewendet und (weiter-)gedacht werden kann – aber immer wieder auch, wie wertvoll Art. 5 Abs. 3 GG ist: In der Kanzlei bindet das Mandat, im Betrieb der Markt, in der Behörde die Weisung, im Ministerium die Politik. An der Hochschule tritt an die Stelle dieser Bindungen die Freiheit der Wissenschaft und Lehre. Deshalb bin ich zurück. Als Professorin.
Angewandte Wissenschaft bedeutet für mich …
… reale Probleme zu lösen und damit einen möglichst unmittelbaren gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Und das geht selten monodisziplinär. In der angewandten Wissenschaft bringen wir deshalb alle an einen Tisch, die zur Problemlösung gebraucht werden. Und zwar nicht nur Wissenschaftler:innen sondern auch Praktiker:innen. Bei mir sind das zum Beispiel Rechts-, Natur- und Wirtschaftswissenschaftler:innen, Verwaltungspraktiker:innen und Apotheker:innen. Am Ende zählt, ob die Lösung in der Praxis funktioniert.
Können Sie uns von einem prägenden Moment in Ihrer Karriere erzählen, der Sie besonders motiviert/beeinflusst hat?
2022 wurde ich mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet, der Dissertationen insbesondere für ihre gesellschaftliche Relevanz würdigt. Geschrieben hatte ich meine mit genau diesem Anspruch.
Die entscheidende Erkenntnis folgte jedoch erst im Anschluss: Durch die Auszeichnung rückte meine Forschung stärker in den Fokus von Menschen, Medien und verschiedenen Stakeholdern. Dabei wurde mir bewusst, dass verständliche Kommunikation in die Breite der Gesellschaft deutlich mehr Wirkung entfalten kann als wissenschaftliche Eleganz – und dass ich nicht nur in Fachzeitschriften zitiert werden, sondern mit meiner Forschung und Lehre für möglichst viele zugänglich sein möchte. Genau deshalb fühle ich mich hier richtig, an einer Hochschule, die den Zugang zu akademischer Bildung aktiv erweitert und auch Talente fördert, deren Weg an traditionelle Eliteinstitutionen häufig erschwert ist. Forschung, die unterschiedliche gesellschaftliche Perspektiven einbindet, halte ich für nachhaltiger und demokratischer. Dabei mitzuwirken, erfüllt mich.
An welchen Projekten oder Forschungsthemen arbeiten Sie derzeit, die Sie besonders spannend finden?
Die EU-Kommission hat kürzlich ein sogenanntes Omnibus-Paket vorgelegt – ein Gesetzgebungsvorhaben, das unter dem Schirm des Bürokratieabbaus gleich mehrere Regelwerke auf einmal ändert, darunter die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Bürokratieabbau ist grundsätzlich richtig und wichtig – solange dabei nicht still und leise auch Gesundheits- und Umweltschutzstandards mitentsorgt werden. Als jemand, der sich seit Jahren mit den Umweltauswirkungen von Zulassungsverfahren beschäftigt, beobachte ich diese Entwicklung mit großer Aufmerksamkeit. Wenn Schutzstandards im Paketverfahren und unter Zeitdruck mitverändert werden, braucht es unabhängige wissenschaftliche Stimmen, die genau hinschauen und klar Stellung beziehen. Das werde ich tun.
Was ist aus Ihrer fachlichen Perspektive das Besondere daran, Studierende für eine Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung auszubilden?
Die öffentliche Verwaltung ist der Ort, an dem abstrakte Rechtsnormen auf das konkrete Leben der Menschen treffen – und das macht die Ausbildung für mich zu etwas ganz Besonderem. Wer später in einer Behörde arbeitet, trägt Verantwortung nicht für einen Mandanten oder ein Unternehmen, sondern für das Gemeinwohl. Das erfordert nicht nur juristische Präzision, sondern auch das Gespür dafür, was eine Entscheidung im Alltag der Menschen bedeutet. Genau das versuche ich meinen Studierenden mitzugeben: dass Verwaltungsrecht kein lästiges bürokratisches Regelwerk ist, sondern ein mächtiges Instrument – und dass es darauf ankommt, wer es in den Händen hält.
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