Prof. Dr. Marisa Przyrembel

Prof. Dr. Marisa Przyrembel ist seit März 2026 Professorin für Psychologie und Führungswissenschaft am Fachbereich Polizei und Sicherheitsmanagement.

23.04.2026

Prof. Dr. Marisa Przyrembel
Foto: Franziska Freinatis

Prof. Dr. Marisa Przyrembel verbindet psychologische Forschung mit Blaulichtberufen und erforscht mentale Gesundheit und Handlungsfähigkeit unter Stress. In der Lehre stärkt sie mit ihrem klinischen Hintergrund und positiver Psychologie die Entwicklung künftiger Führungskräfte.

Wer oder was diente für Sie als persönliche Inspiration für Ihren Berufsweg als HAW-Professorin?

Die Frage, was gute Polizeiarbeit aus psychologischer Sicht ausmacht, hat mich seit meinem Studium fasziniert. Eine HAW ist der ideale Ort, Brücken zwischen Forschung und Praxis zu bauen. Ganz persönliche Schlüsselfiguren für diesen Berufsweg waren zwei Wissenschaftler, die mich frühzeitig und unabhängig voneinander als potentielle Professorin an einer HAW sahen – und mir das transparent spiegelten. Das hat mich inspiriert und motiviert. Und einer der beiden ist bis heute mein Mentor geblieben! 

Angewandte Wissenschaft bedeutet für mich …

Die Kombination unterschiedlicher Bereiche, die alle ermöglichen: Neues herausfinden, Schwierigkeiten angehen, Widersprüchliches auflösen. Das ist bei der Bearbeitung komplexer Forschungsfragen und dem Transfer in die Praxis möglich, aber auch ganz pragmatisch in der Gremienarbeit – wie beispielsweise im Prüfungsausschuss. In Lehrveranstaltungen kann ich meinen klinischen Hintergrund als Psychotherapeutin nutzen. Hier setze ich Methoden ein, die eine reflektierte, achtsame Entwicklung u.a. von künftigen Führungskräften stärken. Mich beschäftigt die Frage, wie Menschen unter Stress nicht nur funktional fit, sondern mental gesund bleiben.

Sie haben Feldforschung im Rettungsdienst betrieben. Wie haben diese Erfahrungen Sie geprägt und welchen Einfluss haben sie auf Ihre Arbeit in Forschung und Lehre an der HWR Berlin?

Seit 20 Jahren beschäftige ich mich mit „Blaulicht-Themen“, wie Zivilcourage oder der Überbringung von Todesnachrichten. Wie sinnstiftend es ist, Profis in Blaulichtberufen zielgenau mit psychologischem Wissen und Methoden zu unterstützen, gewissermaßen die Psychologie „hinter der Einsatzkleidung“ zu begreifen, hat mich beflügelt. Das gilt auch für den Rettungsdienst mit zahlreichen Parallelen zur Polizei: Zeitdruck, mental hohe Anspannung, potentiell emotionale Grenzerfahrungen. Der Blick der positiven Psychologie erweist sich als zentral: so können wir in Studien zeigen, dass sich viele Menschen in der Bevölkerung sehr wohl prosozial verhalten, korrekt an Einsatzorten handeln, Energie in Notfällen kreativ einsetzen. Diese Stärken zu erkennen und darauf aufzubauen, überwindet einen defizitorientierten Blick. So können wir ressourcenorientiert agieren.

Welchen Herausforderungen sind Sie während Ihrer Laufbahn in der Wissenschaft begegnet und wie haben Sie diese bewältigt?

In Laufbahnen wie meiner gibt es sicherlich unterschiedliche Hürden, die alle Beteiligten fordern, einen konstruktiven und entschiedenen Umgang damit zu finden. Zahlreiche Psychotherapeut*innen meiner Generation arbeiteten während der Ausbildung unbezahlt an Kliniken. Wissenschaftlicher Nachwuchs erhält anerkannte, aber sozialversicherungsfreie Stipendien. Finanziell kann das in prekäre Lagen führen. Zudem herrscht in Forschungsteams zuweilen kontraproduktiv hoher Druck. Gesunde, zeitgemäße Führung kann helfen. Und nicht zuletzt existieren im 21. Jahrhundert immer noch Formen der Diskriminierung während Schwangerschaft und Elternzeit. Eine Bewältigung ist meiner Erfahrung nach mit Konfliktfähigkeit, gutem Selbstmanagement sowie einem tragfähigen Netzwerk möglich. Und mit Mut zum Wandel. 

Was schätzen Sie besonders an der Arbeit mit Studierenden?

Mir ist der direkte, lebendige Austausch mit der Praxis wichtig. Sehr genieße ich es, wenn ich von den Studierenden Neues aus deren Perspektive und Berufspraxis lerne. Bei einigen meiner Studierenden habe ich hospitiert, weitere Hospitationen habe ich gerade geplant. Und wenn in Abschlussarbeiten gemeinsam neue praxisrelevante Erkenntnisse generiert werden können – was gibt es Erfüllenderes!

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